Reisen mit der Bahn

    Leicht
    Zug
    Von Susanne Krause

    Elena Renn wohnt erst seit drei Jahren in Deutschland. Trotzdem ist die Australierin eigentlich schon sehr deutsch. Eine Sache kann sie inzwischenhier: jetztinzwischen genauso guthier: gleich gutgenauso gut wie eine Deutsche: sich über die Bahn ärgern. Ihr das Lieblingsthema, -themenhier: ≈ Inhalt von einem Gespräch: Darüber spricht man am liebsten.Lieblingsthema? Verspätungen. Wie bei so vielen Deutschen. Und diese schimpfenlaut sagen, dass man sich ärgertschimpfen oft so sehr darüber, dass man denkt: Eigentlich kann in diesem Land kein Zug pünktlich sein. Renn weiß: Ärger über die Deutsche Bahn ist oft ein Luxusproblem. Denn das das Bahnnetz, -e≈ alle Bahnlinien von einer Region oder von einem LandBahnnetz ist eines der dichthier: so, dass es viele Bahnlinien gibt und diese eine gute Verbindung zu anderen habendichtesten der Welt. Viele Züge fahren in einer hohen Frequenz≈ oftin einer hohen Frequenz. Die meisten sind modern und komfortabel. In Wirklichkeit ist die Bahn also oft besser als ihr Image.

    Aber im Alltag sind Verspätungen und Probleme trotzdem ärgerlich, besonders wenn man wie Renn jeden Tag pendelnhier: einen ziemlich weiten Weg zwischen Arbeitsplatz und Wohnort hin- und herfahrenpendelt und die Sprache nicht perfekt≈ sehr gutperfekt spricht. Denn die Bahn informiert meistens nur perhier: mitper Durchsage auf Deutsch. Die 25-Jährige versteht dann oft das Wichtigste nicht. „Es ist wahrscheinlich besser, jemanden zu fragen und nicht auf die Durchsage zu hören“, sagt sie. das Personalhier: Personen: Sie arbeiten für die Bahn.Das Personal im Zug oder am Bahnhof hilft Reisenden zum Beispiel, eine Alternative zu einem verspäteten Zug zu finden. Im das Reisezentrum, -zentren≈ Fahrkartenschalter von der Deutschen BahnReisezentrum können Passagiere außerdem etwas vom Ticketpreis zurückbekommen, wenn sie am Ende ihrer Reise mindestens eine Stunde Verspätung haben. Auch hier hilft das Personal – oft aber mit wenig Enthusiasmus. Wenn kein Angestellter der Bahn in der Nähe ist, kann man außerdem andere Reisende um Hilfe bitten. Deutsche wissen nämlich sehr gut, warum das Bahnsystem für Ausländer kompliziert ist: Sie verstehen es oft selbst nicht.

    Schon die Firmenstruktur ist komplex: Die Deutsche Bahn gehört dem der Staat, -enLand; Nation; hier auch: alle Menschen in einem Land: Sie zahlen Steuern.Staat, ist aber trotzdem eine private Firma. Sie hat verschiedene die Sparte, -nhier: Teil oder Sektor von einer FirmaSparten. Diese arbeiten aber nicht immer ideal zusammen. Das sieht man gut am Beispiel von Regional- und Fernverkehr. Der Unterschied zwischen diesen beiden der Bereich, -ehier: ≈ Sektor; Teil einer FirmaBereichen: Regionalbahnen fahren meistens auf weniger wichtigen die Strecke, -nhier: Weg: Dort fahren Züge.Strecken, halten öfter und sind langsamer als die Züge im Fernverkehr. Die wichtigsten Züge im Fernverkehr heißen Intercity-Express (ICE), Intercity (IC) oder Eurocity (EC). Damit reist man über größere Distanzen. In beiden Bereichen versucht die Bahn, ihre Verspätungen zu minimieren.

    Das Pro­blem dabei: Züge der einen Sparte warten oft nicht auf einen verspäteten Zug der anderen Sparte – und auch nicht unbedingtauf jeden Fallunbedingt auf einen Zug eines anderen das Bahnunternehmen, -Firma: Ihr gehören Züge.Bahn­unternehmens. In Deutschland fahren nämlich nicht nur Züge der Deutschen Bahn. Auch andere Firmen bieten Verbindungen an, zum Beispiel den Flixtrain zwischen Hamburg und Köln. Diese fahren aber meistens nur in bestimmte (-r/-s)hier: ≈ genau gewählte (-r/-s)bestimmten Regionen.

    Bei allen Bahnunternehmen brauchen der Fahrgast, -gästePassagierFahrgäste natürlich zuerst ein Ticket. Passagiere ohne Fahrkarte müssen in Regionalzügen 60 Euro die Strafe, -nhier: Gebühr als SanktionStrafe bezahlen. In der Fernzug, -zügeZug: Er fährt zwischen großen Städten.Fernzügen können sie ein Ticket gegenhier: ≈ fürgegen eine die Zusatzgebühr, -enGebühr: Man zahlt sie zum normalen Preis dazu.Zusatzgebühr beim der Schaffner, -Person im Zug: Sie kontrolliert und verkauft die Fahrkarten.Schaffner bekommen. Aber welches ist das beste?

    Das ist nicht immer ganz einfach. Die Bahn bietet sehr verschiedene Tarife und auch Rabatte an – zum Beispiel durch die Bahncard 50. Damit bezahlt ein Kunde immer nur den halben Preis. Sie ist aber nur eine gute Investition, wenn man oft mit dem Zug fährt. Ein anderes Rabatt­angebot sind die das Länderticket, -shier: Ticket: Man kann es nur für Züge in einem oder zwei Bundesländern benutzen. (das Bundesland, -länder , Teil von einer föderalistischen Republik)Ländertickets, zum Beispiel das Saarland-Ticket und das Brandenburg-Berlin-Ticket. Damit können bis zu fünf Personen einen ganzen Tag lang mit dem Zug fahren. Aber nur mit Regionalbahnen in den auf den Tickets genanntPart. II von: nennen = hier: den Namen eines oder zweier Bundesländer auf das Ticket schreiben: Dort darf man mit dem Zug fahren.genannten Bundesländern und Montag bis Freitag nur nach neun Uhr morgens. „Das haben wir gesehen, als wir um 8.30 am Flughafen angekommen sind“, erinnert sich Renn. „Man kann so viel falsch machen, ohne es zu wissen.“ Bei so vielen Angeboten ist es schwer, immer das günstigste zu finden.

    Es ist außerdem wichtig zu wissen: Viele Sparangebote haben eine die Zugbindung≈ Norm: Man kann ein Ticket nur für den gebuchten Zug benutzen.Zugbindung. Der Passagier darf dann wirklich nur die auf der Fahrkarte genannte Verbindung nehmen. Mit den teureren Normalpreisen ist er flexibelhier: so, dass man auch einen anderen Zug nehmen kannflexibler.

    Eine Reservierung für einen Sitzplatz kostet bei der Bahn ein paar Euro extrahier: noch dazuextra. Sie ist nie flexibel, sondern gelten fürhier: ≈ stimmen für; richtig sein fürgilt immer nur gelten fürhier: ≈ stimmen für; richtig sein fürfür eine bestimmte (-r/-s)hier: so, dass man sie gebucht hatbestimmte Verbindung. Passagiere können aber auch spontan ohne Reservierung reisen. Im Regionalverkehr ist das sogar≈ auchsogar die einzige (-r/-s)hier: es gibt keine andereeinzige Option. Meistens findet man einen Sitzplatz, manchmal muss man nur fragen. „Deutsche blockieren oft den Sitz neben sich mit ihrer Tasche. Auch wenn deshalb andere stehen müssen“, hat Renn gelernt.

    Übrigens: …hier: ≈ Jetzt kommt noch eine interessante Information, nämlich: …Übrigens: Die größte Überraschung für die Australierin waren nicht die Verspätungen oder das komplizierte Preissystem, sondern die Partys: „Hier ist es ganz normal, dass man im Zug Bier trinkt oder der Junggesellinnenabschied, -eParty für eine Frau kurz vor ihrer Hochzeit: Andere Frauen feiern mit ihr. (die Junggesellin, -nen , Frau: Sie ist (noch) nicht verheiratet.) (der Abschied, -e , Moment am Ende von einem Treffen; hier: Ende von der Zeit als Single)Junggesellinnenabschiede feiert“, sagt sie. „Deutsche lieben Partys in Zügen.“ Trotz allen Ärgers: So groß kann die Antipathie der Deutschen gegen ihre Bahn also garhier: wirklichgar nicht sein.

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