Winternacht an der Surf-Oase

    Leicht
    Surfer bei Nacht in der Eisbachwelle in München.
    Von Eva Pfeiffer

    In dieser Nacht gibt es in München nettere Orte. Restaurants, Bars oder das Sofa in der warmen Wohnung zum Beispiel. Die Minusgrade fühlt man deutlich, und am Eisbach ist es noch kälter. Schwarz sieht das Wasser des Stadtbachs aus. Laut ist es auch, besonders neben der großen Prinzregentenstraße am südlichen Ende des Englischen Gartens. Denn hier austretenhier: ≈ nach draußen kommentritt das Wasser unter einer Brücke als permanente Welle austretenhier: ≈ nach draußen kommenaus: Das ist die Eisbachwelle.

    „Mir ist heiß“, sagt Maximilian Schwarzkopf und stellt Rad und das Surfbrett, -er (engl.)Sportgerät: Darauf stellt man sich zum Surfen.Surfbrett ab. Der 38-Jährige ist einer der Eisbachsurfer. Die der Sportler, -Person: Sie macht viel Sport.Sportler sind nicht nur in München bekannt. Touristen aus der ganzen Welt kommen zur Eisbachwelle, um sie zu fotografieren. Auch Surfer aus Australien, Hawaii oder den USA sein Glück versuchenhier: das Surfen auf der Eisbachwelle probieren, um zu sehen, ob man es kannversuchen hier sein Glück versuchenhier: das Surfen auf der Eisbachwelle probieren, um zu sehen, ob man es kannihr Glück. Besonders im Sommer sieht man in der Stadt immer wieder Radfahrer mit Surfbrett unter dem Arm. Es gibt außerdem einen Dokumentarfilm über die Eisbachsurfer: Keep Surfing aus dem Jahr 2009.

    Gefährliche Welle

    Was macht die Eisbachwelle so besonders? „So etwas gibt es auf der Welt kein zweites Mal. Das Wasser hat hier einen extremen der Druckhier: ≈ Effekt physikalischer EnergieDruck“, erklärt Schwarzkopf. „Und direkt hinter der Welle sind mehrere große der Stein, -esehr harte Substanz, z. B. Granit, Quarzit ...Steine. Die machen das Surfen nicht ungefährlich. Für die Eisbachwelle braucht man definitiv viel Übung.“
     


    Das alles ist für Schwarzkopf nicht genug. Um die die Herausforderung, -enhier: schwere AufgabeHerausforderung noch größer zu machen, geht er nachts surfen. „Dann ist die Eisbachwelle noch menschenfeindlichhier: so, dass es gefährlich für Menschen istmenschenfeindlicher. Und die Atmosphäre in der Natur ist fantastisch“, sagt er. Das Wetter ist dem 38-Jährigen egal – er trägt einen Ganzkörper-Neoprenanzug. Aus seinem der Rucksack, -säcke≈ Tasche: Man trägt sie auf dem Rücken.Rucksack holt er mehrere LED-Lampen und befestigenhier: stabil machen anbefestigt sie an der Brücke. Der Effekt des Lichts ist toll: Das Wasser leuchtenLicht reflektierenleuchtet grün und die die/der Gischtweiße, weiche, leichte Substanz aus vielen kleinen Luftbällchen im WasserGischt der Welle weiß. Zwei andere Surfer freuen sich. Sie sind ohne Lampen gekommen und können erst jetzt ins Wasser.

    Auch nachts ein beliebter Surf-Hotspot

    Schnell macht Schwarzkopf alles für das Surfen fertig. Er hat Routine: Surfboard wachsenWachs tun auf (das Wachs: hier: ≈ spezielle, weiche Substanz)wachsen, damit seine Füße darauf mehr der Halthier: ≈ Hilfe, damit man nicht fälltHalt haben. der Stöpsel, -hier: eines von zwei kleinen Dingen: Man trägt sie im Ohr, damit kein Wasser hineinkommt.Stöpsel in die Ohren stecken, spezielle der Handschuh, -eKleidungsstück für die HandHandschuhe anziehen. Und schon springenhier: sehr schnell mit dem Kopf zuerst ins Wasser gehenspringt er springen inhier: sehr schnell mit dem Kopf zuerst ins Wasser gehenin den Eisbach, schwimmt ein bisschen und kletternmit Händen und Füßen hinaufgehenklettert wieder aus dem Wasser. Am das Ufer, -hier: Land an der Grenze von einem FlussUfer macht er ein paar die Dehnübung, -enÜbung: ≈ Man macht den Körper, Arme und Beine lang und gerade.Dehnübungen. Dann befestigt er das Surfboard mit einer die Schnur, Schnüredünnes, langes Ding aus speziellem MaterialSchnur an seinem Bein. Es losgehenstarten; beginnengeht los: Schwarzkopf springt auf sein Board. Sofort steht er auf der Welle. Er surft zur anderen Uferseite und wieder zurück – und lässt sich ins Wasser fallen.
     

    Oft sind hier auch nachts zehn Surfer.


    Die die Strömung, -enhier: Wasser: Es ändert seine Position immer.Strömung des Eisbachs will Schwarzkopf in den dunklen Englischen Garten treibenhier: vom Wasser mitgenommen werdentreiben. Aber schon nach wenigen Metern ist er zum Ufer geschwommen, klettert aus dem Wasser und kommt zu Fuß zurück. Das Surfboard trägt er unter dem Arm. Er wartet, bis einer der beiden anderen Surfer vom Board fällt. Dann gehört die Welle wieder ihm. So geht es immer weiter.hier: Die Surfer tun es immer wieder.So geht es immer weiter – Schwarzkopfs Motivation und Euphorie bleiben konstant groß. „Oft sind hier auch nachts zehn Surfer“, erzählt er in einer kurzen Pause. „Aber es sind weniger als am Tag, und das ist das Gute. Nachts kann man mehr der Trick, -shier: ≈ AkrobatikTricks versuchen. Wenn man vom Board fällt, muss man danach nicht so lange warten.“ Ein Trick ist zum Beispiel der „360“: eine komplette die Drehung, -envon: sich drehen = einen Kreis machenDrehung mit dem Board.

    Ein paar Menschen stoppen auf der Brücke und machen Fotos. Aber lange bleiben sie bei den niedrigen Temperaturen nicht stehen. Es ist Zeit für etwas Warmes. Schwarzkopf hat heißen Früchtetee mitgebracht. Aber eigentlich ist ihm gar nicht kalt in seinem Neoprenanzug. Außerdem ist es im Wasser wärmer als draußen. Hat er keine Angst, sich an den Steinen zu verletzen? „Bis jetzt ist mir noch nichts Schlimmes passiert. Deshalb übt man ja, bevorin der Zeit vorherbevor man auf der Eisbachwelle surft“, sagt er.

    Surfen auf dem Eisbach: erst seit 2009 legal

    Seit 2008 ist er öfter an dem Hotspot. Vorher hat er auf einer einfacheren Flusswelle geübt: an der Floßlände im Süden von München. Das Surfen sieht bei ihm leicht und elegant aus. Aber es ist das Resultat von mehreren Jahren Surftraining. Schwarzkopf ist auch schon länger Kitesurfer. Außerdem Ski fahrenauf zwei langen Stücken auf Schnee einen Berg hinunterfahrenfährt er Skateboard, Snowboard, Rad und Ski fahrenauf zwei langen Stücken auf Schnee einen Berg hinunterfahrenSki.

    Auch international bekannte, professionelle Surfer müssen für die Eisbachwelle erst einmalhier: am Anfangerst einmal üben. Denn das Surfen auf einem Fluss ist etwas komplett anderes als Surfen auf dem Meer. Im Fluss kommt die Welle von vorne, im Meer von hinten. Außerdem steht man im Eisbach auf der Welle – und die Welle steht auch. Konstruiert hat den Hotspot in den 80er-Jahren der Bayer Walter Strasser. Er hat eine die Eisenbahnschwelle, -n≈ dickes, langes Holzstück: Es ist zwischen Gleisen. (die Eisenbahn, -en: Zug)Eisenbahnschwelle im das Flussbett, -en≈ langer, tiefer Weg in der Erde: Darin ist ein Fluss. (die Erde: hier: Ort: Darauf geht und steht man.)Flussbett befestigt. Aber erst seit 2009 ist das Surfen dort wirklich legal – für geübte Surfer.

    „Das hat heute wieder so viel Spaß gemacht!“, sagt Schwarzkopf, als er nach mehr als einer Stunde glücklich aus dem Wasser kommt. So viel Zeit zum Surfen wie früher hat er heute nicht mehr. Der 38-Jährige arbeitet als Scrum Master und Social Coach in einem Start-up, und er hat eine Familie. Schwarzkopf seine Sachen packenseine Sachen in eine Tasche tunpackt seine Sachen, zieht eine warme die Wollmütze, -n≈ Ding aus Wolle: Man trägt es auf dem Kopf.Wollmütze an und nimmt das Surfbrett unter den Arm. Dann steigen aufhier: sich setzen aufsteigt er steigen aufhier: sich setzen aufauf sein Rad und fährt durch die Münchener Winternacht nach Hause.  

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    Dieser Text ist aus der Zeitschrift Deutsch perfekt 2/2017. Das komplette Heft können Sie in unserem Shop kaufen. Natürlich gibt es die Zeitschrift auch bequem und günstig im Abo.

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