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    Tuffi will raus

    Mittel
    Elefant springt aus einer Schwebebahn
    Von Barbara Kerbel

    Tuffi ist erst vier, aber schon ein der Medienprofi, -sPerson, die die Medien sehr gut kenntMedienprofi. Die kleine die Elefantenkuh, -küheweiblicher ElefantElefantenkuh lernt schnell und hat wenig Angst vor Menschen. Seit einem Jahr gehört sie dem Zirkus Althoff. Dieser Zirkus ist auf die Dressur von Tieren spezialisiert. Weil sie so lieb ist, nimmt Zirkusdirektor Franz Althoff Tuffi gerne mit zu öffentlichen der Auftritt, -ehier: Situation, in der man sich vor Publikum zeigtAuftritten.

    Tuffi ist der Star jeder Marketingaktion. Im das RuhrgebietRegion mit vielen Industriestädten in Nordrhein-WestfalenRuhrgebiet ist sie schon in mehreren Städten mit der Straßenbahn gefahren. In Duisburg hat sie eine Hafenrundfahrt gemacht. In Solingen hat sie der Bauarbeiter, -Person, die auf dem Bau arbeitet (der Bau , hier: Ort, an dem neue Häuser, Straßen, … gemacht werden)Bauarbeitern einen der Kasten, Kästenhier: ≈ viereckiger, offener Container für BierflaschenKasten Bier gebracht. Und im Rathaus von Oberhausen hat sie eine Zimmerpflanze gefressen. Wo Tuffi auftritt, ist der Spaß groß.

    Am 21. Juli 1950 aber ist alles anders. An diesem Tag hat der Elefant keinen Spaß, sondern Panik. Für den Auftritt in Wuppertal hat sich Althoff etwas ganz Spezielles überlegt: Tuffi soll mit der Schwebebahn fahren. Diese 1901 eröffnenzum ersten Mal öffneneröffnete Bahn ist die größte Attraktion der Stadt im Ruhrgebiet.

    Anders als normale U-Bahnen oder Straßenbahnen fährt die Schwebebahn nicht auf die Schiene, -nGleisSchienen, sondern ist an Schienen aufhängenhier: hoch hängenaufgehängt. So ist der Zug flexibelhier: ≈ so, dass man mehr Möglichkeiten hatflexibler und braucht zum Beispiel in Kurven weniger Platz. Deshalb ist die Konstruktion ideal für das enge Tal der Wupper – die Bahn fährt direkt über dem Fluss durch die Stadt.
     

    Es dauert nur wenige Sekunden, dann wird es Tuffi wirklich zu viel.


    Ein Elefant in der Schwebebahn, hoch über dem Fluss: Das soll eine ganz besondere (-r/-s)besondere (-r/-s)besondere Attraktion werden. Mit Althoff und der Vertreter, -hier: Politiker von der StadtVertretern der Stadt kommen viele Journalisten und Fotografen zum Zug. Am Schalter kauft der Zirkusdirektor fünf Tickets für die zweite Klasse: vier für seinen mehrere Hundert Kilo schweren Elefanten und eines für sich. Fotos zeigen Tuffi am Schalter und auf dem Bahnsteig, in der Mitte von vielen Menschen.
    Als die Bahn kommt, sind mehr Menschen im Waggon mit dem Tier als geplant. Es dauert nur wenige Sekunden, dann wird es Tuffi wirklich zu viel.

    Ist es das quietscheneinen sehr hohen, langen Laut machenQuietschen der Schienen? Das ungewohntunbekannt und deshalb seltsamungewohnte schaukelnsich hin- und herbewegenSchaukeln in den Kurven? Die vielen Menschen? Es ist schwer zu sagen, was Tuffi nervös macht. Aber das Tier bekommt Panik – und will raus. Es springt auf eine Sitzbank, die sofort unter ihm kaputtgeht. Es Anlauf nehmenkurz und schnell laufen und dann z. B. springennimmt ein zweites Mal Anlauf nehmenkurz und schnell laufen und dann z. B. springenAnlauf und läuft gegen die Wand. Die Wand und ein Fenster zerbrechen(in einzelne Teile) kaputtgehenzerbrechen – und Tuffi fällt aus der Bahn.

    Zehn Meter stürzenhier: fallenstürzt der Elefant nach unten in den Fluss. An der Stelle ist die Wupper nur einen halben Meter tief. Aber Tuffi hat großes Glück und landet im der Schlammextrem nasse ErdeSchlamm. Nur am das Hinterteil, -eugs.: hier: Körperteil, auf dem ein Tier sitztHinterteil wird sie ein bisschen verletzt. Sie kann sofort wieder aufstehen – und wird noch am selben Abend wieder im Zirkus auftreten.

    Als Tuffi aus der Bahn fällt, werden auch die Menschen im Waggon panisch. Ein paar werden leicht verletzt, als der Elefant an ihnen vorbeispringt. Althoff will seinem Tier spontan hinterherspringenhier: zu jemandem springen, der schon gesprungen isthinterherspringen. Aber sein zwölfjähriger Sohn Harry stoppt ihn. Alle fahren bis zur nächsten Haltestelle und laufen zurück zu der Stelle, an der Tuffi im Wasser liegt.
    Die Ironie der Geschichte: Obwohl der Waggon voll mit Fotografen ist, gibt es von Tuffis Sturz kein Bild. Denn keiner der Fotografen in der Bahn es schaffenhier: Erfolg habenschafft es, im richtigen Moment auf den der Auslöser, -hier: ≈ Schalter: Man drückt ihn, und der Fotoapparat macht ein Bild.Auslöser zu drücken. Und unten am Wasser steht auch keiner – es konnte ja niemand ahnenvermutenahnen, dass der Elefant aus der Bahn springt. Deshalb gibt es von Tuffis Sprung in die Wupper nur Rekonstruktionen.

    Für Althoff und den Verkehrschef der Wuppertaler die Stadtwerke (Pl.)Firma, die einer Stadt gehört und in dieser Strom und Gas liefertStadtwerke hat die Episode noch ein juristisches das Nachspiel, -ehier: negative KonsequenzNachspiel. Beide müssen eine Strafe zahlen, wegen „fahrlässigohne Absichtfahrlässiger Transportdie Gefährdung, -envon: gefährden = in eine gefährliche Situation bringengefährdung und fahrlässiger Körperverletzung“. Es ist nämlich nicht erlaubt, Tiere mit in die Schwebebahn zu nehmen. Nur Polizei- und der Blindenhund, -eHund, der eine blinde Person assistiert (blind, so, dass man nichts sehen kann)Blindenhunde dürfen mitfahren.
     

    Der Elefant ist bis heute eines der Maskottchen der Stadt.


    Aber für Wuppertal wird das Ereignis zum Mythos. Die das Milchwerk, -eFirma, die Milchprodukte herstelltMilchwerke Köln-Wuppertal geben ihren Produkten den Namen Tuffi. Der Elefant ist bis heute eines der das Maskottchen, -hier: SymbolMaskottchen der Stadt. An der Wupper erinnert eine Tuffi-Skulptur aus Bronze an den Tag im Juli 1950. Die Geschichte gibt es auch als Bilderbuch. Im März 2016 wird ein Elefantenbaby im Wuppertaler Zoo Tuffi genannt.

    Die echtwirklichechte Tuffi bleibt bis 1968 beim Zirkus Althoff. Dann sich auflösenhier: aufhören, da zu seinlöst sich dieser sich auflösenhier: aufhören, da zu seinauf. Tuffi wird mit einer Gruppe von Tieren an einen französischen Zirkus verkauft. Sie stirbt 1989 im Alter von 43 Jahren.

    Die Schwebebahn ist bis heute die wichtigste Attraktion Wuppertals. Viele Touristen kommen vor allem in die Stadt, um einmal mit der berühmten Bahn zu fahren, hoch über dem Fluss. Sie ist zum das Wahrzeichen, -Gebäude oder Gegenstand, der das Symbol für einen Ort istWahrzeichen geworden – auch das Wuppertaler Logo zeigt den Fluss und die Bahn. Die Bahn ist das wichtigste Verkehrsmittel der Stadt, Zehntausende Menschen fahren jeden Tag damit.

    Viele Jahre lang gelten alsbekannt sein alsgilt die Schwebebahn gelten alsbekannt sein alsals das sicherste Verkehrsmittel der Welt. Das ändert sich im April 1999, als es nach Bauarbeiten einen tragischen Unfall gibt. Arbeiter hatten in der Nacht ein Teil an den Schienen vergessen, der erste Zug am nächsten Morgen kollidieren≈ einer gegen den anderen stoßenkollidiert damit. Ein Waggon stürzt nach unten, fünf der Fahrgast, -gästePassagier in Bus, Bahn oder StraßenbahnFahrgäste sterben, 47 werden verletzt. Es ist bis heute der einzige tödlichso, dass man sterben musstödliche Schwebebahn-Unfall.

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