Tägliche Routine: Gruß- und Abschiedsformeln

    Mittel
    Zwei Geschäftsmänner geben sich die Hände.
    Von Claudia May

    Gleich in der ersten Kursstunde lernt sie jeder Anfänger: die Routineformeln – auch wenn der Lehrer selten sagt, dass sie so heißen. Denn in jeder Sprache braucht man sie als Basis für die tägliche Kommunikation: zur Begrüßung, zur Vorstellung der eigenen Person und zur die Verabschiedung, -envon: sich verabschieden = auf Wiedersehen sagenVerabschiedung. Die die Anwendungvon: anwenden = hier: in einer konkreten Situation benutzenAnwendung dieser Routineformeln funktioniert nach einem ganz bestimmten Schema. folgenhier: sich orientieren anFolgt man diesem Schema nicht, ist der Gesprächspartner verwirrt≈ unsicherverwirrt. Lernen Sie, wie man sich in welcher Situation begrüßt und verabschiedet.
     

    Die Grußformeln

     

    Guten Morgen!

    Diese Begrüßung benutzt man am Morgen. Zum Beispiel, wenn man zu seinen Arbeitskollegen in das Büro kommt. Dabei ist es egal, ob man die Person(en) duzt oder siezt. Es ist unhöflich, wenn auf diese Begrüßung nicht geantwortet wird. Die erwartenhier: ≈ meinen, dass man mit … antworteterwartete Antwort: (Guten) Morgen! oder Hallo!. Die Kurzform Morgen! wirkt dabei etwas informeller.
    Achtung, Ironie: Kommt man zu spät zur Arbeit, und der Chef begrüßt einen in ernstem Tonso, dass man etwas ernst sagtin ernstem Ton mit Guten Morgen!, ist dies kein freundlicher Gruß. Ihr der Vorgesetzte, -nChefVorgesetzter zeigt so, dass er das Zuspätkommen registriert hat und es nicht toll findet.

     

    Guten Tag!

    Diese Begrüßung kann man den ganzen Tag benutzen, also nicht nur morgens, sondern auch am Nachmittag. Erst am Abend sollte man zu Guten Abend! wechseln. Regional werden auch andere Varianten nutzen≈ benutzengenutzt: Zum Beispiel Grüß Gott! in Süddeutschland oder (Moin) Moin! in Norddeutschland. Alle Formen sind für die Du- oder Sie-Form gleich. Auch hier ist es unhöflich, wenn auf die Begrüßung nicht geantwortet wird.
    Die erwartete Antwort: (Guten) Tag! / Hallo! / Grüß Gott! (süddt.) / Moin! (norddt.).

     

    Hallo! / Hi! / Hey! / Hallöchen! / Na (, du)? / Moinsen! (norddt.) / Servus! (süddt.)

    Diese Routineformeln sind informell. Das heißt, man solltehier: es wird empfohlen, dass …man sollte die Person(en) kennen, die man so begrüßt. Diese Art der Begrüßung funktioniert den ganzen Tag und auch die ganze Nacht. Sie gebunden seinhier: abhängen vonist also an keine bestimmte (-r/-s)hier: ≈ geplante (-r/-s); gültige (-r/-s)bestimmte Zeit gebunden seinhier: abhängen vongebunden. Eine in Süddeutschland außerdem einsetzenhier: benutzeneingesetzte Variante ist Habedere, eine Kurzform von (Ich) Habe die die Ehrehier: ≈ wunderbare Möglichkeit: Man darf einen speziellen Menschen treffen oder kennenlernen.Ehre (, mit dir zu sprechen).
    Achtung: Genau wie Servus kann Habedere auch eine Abschiedsformel sein.
    Auch bei informellen Begrüßungen unter Freunden sollte man unbedingtauf jeden Fallunbedingt antworten. Zum Beispiel mit Tag! / Hallo! / Hi! / Hey!.

     

    Grüß dich! / Grüß Sie!

    Diese Begrüßung benutzt man besonders oft in Süddeutschland. Sie funktioniert unabhängighier: so, dass … keine Rolle spieltunabhängig von der Tageszeit.
    Mögliche Antworten sind zum Beispiel Servus! (bei Bekannten), Hallo! / Guten Tag! (bei Fremden).

     

    Mahlzeit!

    Diesen Gruß benutzt man zur Mittagszeit, also dann, wenn es Mittagessen gibt. In Deutschland ist das ziemlich früh: nämlich meistens zwischen 12 und 13 Uhr. Besonders oft hört man diesen Gruß am Arbeitsplatz. Man kann ihn gegenüberhier: in der Beziehung zugegenüber Freunden benutzen, aber auch gegenüber Menschen, die man siezt.
    Die erwartete Antwort ist einfach: Mahlzeit!.
    Eine ironische Variante, die aber kein Gruß ist, ist Na, dann Prost Mahlzeit! Das ist ein Ausdruck von die Verärgerungvon: verärgern = ärgerlich machenVerärgerung oder Skepsis.
    Die Chefin sagt, wir müssen diese Woche auch am Wochenende arbeiten.
    Na, dann, Prost Mahlzeit!

     

    (Guten) Abend!

    Wie man sich leicht denken kann, wird dieser Gruß nur am Abend benutzt. Guten Abend! kann man zu Freunden, aber auch zu fremden Personen sagen, die man siezt. abkürzenhier: weniger Wörter oder nur ein Wort benutzen, statt den ganzen Ausdruck zu verwendenKürzt man den Gruß abkürzenhier: weniger Wörter oder nur ein Wort benutzen, statt den ganzen Ausdruck zu verwendenab (Abend!), wirkt das etwas salopphier: alltagssprachlich; jugendlich unkompliziertsalopper.
    Mögliche Antworten sind zum Beispiel Hallo! / (Guten) Abend!.


     

    Die Abschiedsformeln

     

    (Auf) Wiedersehen!

    Dies ist der Klassiker unterhier: beiunter den Abschiedsformeln. Er funktioniert immer. Im Süden Deutschlands wird daraus oft (Auf) Wiederschaun!.
    Mögliche Antworten sind Tschüss! / (Auf) Wiedersehen! / (Auf) Wiederschaun!.
    Achtung: Am Telefon sollte man diese Abschiedsformel nicht benutzen. Denn man sieht seinen Kommunikationsparter nicht, sondern hört ihn nur.

     

    Tschüs(s)! / Tschau!

    Diese Abschiedsformeln funktionieren bei Freunden und auch bei fremden Personen, die man etwas besser kennt.
    Achtung: In vielen Teilen Bayerns wird Tschüss! nicht gern gehört. Hier benutzt man besser Tschau! (vom italienischen Ciao!), Pfiat di/eich/Eahna! (bayer. )von: Behüt dich/euch/Sie Gott! ≈ Gott soll auf dich/euch/Sie aufpassen!Pfiat di! / Pfiat eich! / Pfiat Eahna! oder auch Servus!. Von älteren Menschen hört man dort außerdem manchmal noch Ade!.
    Im Norden des Landes ist Tschüss! als Verabschiedung typisch. Eine etwas saloppere Form ist Tschö!. Diese sollte man aber nur unter Bekannten benutzen. Alle diese Abschiedsformeln funktionieren zu jeder Tages- und Nachtzeit.
    Mögliche Antworten sind Tschüss! / Tschö! / Tschau!.

     

    Bis gleich! / Bis nachherspäternachher! / Bis dann! / Bis später! / Bis dahin!

    Auch wenn sich alle diese Formeln ziemlich ähnlich sich anhörenhier: in einer speziellen Art wirkenanhören: Es gibt große Unterschiede, wann man welche davon benutzt. Achtet man nicht darauf, kommt es schnell zu das Missverständnis, -efalsche Interpretation einer Aussage, Geste oder AktionMissverständnissen.
    Mit Bis gleich! verabschiedet man sich, wenn man die andere Person in sehr kurzer Zeit wiedertrifft:
    Ich muss noch schnell diese E-Mail fertig schreiben, dann komme ich in dein Büro!
    Okay, bis gleich!
    Bei den Abschiedsformeln Bis nachher! und Bis später! vergehen≈ vorbeigehenvergeht etwas mehr Zeit, aber auch hier ist der Abschied von geringhier: kleingeringer Dauer:
    Wollen wir in zwei Stunden, so gegen 12 Uhr, zusammen in die Mittagspause gehen?
    Gern! Bis nachher! / Bis später!
    Bei der Abschiedsformel Bis dahin! ist die Dauer bis zum Wiedersehen nicht festlegenhier: genau wissen, wie groß … istfestgelegt. Es kann sein, dass sich die Gesprächspartner bald sehen – oder auch erst in ein paar Tagen:
    Ich komme heute Mittag / nächste Woche wieder zum Deutschkurs.
    Alles klar, bis dahin!
    Eine der Verwendungen von Bis dann! funktioniert genauso: Diese Formel kann unabhängig von der Dauer des Abschieds eingesetzt werden. Bis dann! kann aber auch bedeuten, dass der Zeitpunkt des nächsten Wiedersehens völligtotalvöllig unbekannt ist:
    Ich fand unser Treffen sehr schön!
    Ich auch. Wir schreiben uns, ja? Bis dann!
    Alle Formeln können zu jeder Tages- und Nachtzeit benutzt werden.

     

    Bis Montag! / Bis nächste Woche!

    Bei dieser Abschiedsformel wird der konkrete Zeitpunkt des Wiedersehens der beiden Gesprächspartner genannt. Deshalb sollte man seinen Gesprächspartner auch unbedingt korrigieren, wenn er das Datum verwechselnhier: ein falsches Datum nennenverwechselt:
    Bis nächste Woche!
    Nein, da komme ich nicht ins Büro. Ich habe ab Montag zwei Wochen Urlaub.
    ansonstenhier: ≈ außerdem gibt es noch …Ansonsten sind mögliche Antworten Ja, okay!/ Alles klar! / Bis dann!.

     

    Mach’s gut! / Machen Sie es gut!

    Bei dieser Form des Abschieds wird eine gewisse (-r/-s)hier: ein wenig; etwasgewisse die Vertrautheitvon: vertraut = so, dass man jemanden sehr gut kenntVertrautheit voraussetzenhier: automatisch eine wichtige Bedingung seinvorausgesetzt – auch wenn man den Gesprächspartner siezt. Der Zeitpunkt des Wiedersehens ist nicht sehr konkret. Es kann ein Abschied von einer Stunde sein – oder für ein Jahr. Auch diese Form des Abschieds ist von der Tageszeit unabhängig. Darauf antworten kann man zum Beispiel mit Ja, bis bald! / Wir sehen uns!.
    Eine ironische Antwort, die gern von Jüngeren unter Freunden benutzt wird, ist: Mach’s besser!.

     

    (Auf) Wiederhören!

    Dies ist die klassische Verabschiedung am Telefon. Sie wird also immer dann benutzt, wenn man seinen Gesprächspartner nicht sehen kann (also nicht bei Videotelefonie, dort funktioniert aber Auf Wiedersehen!).
    Mögliche Antworten sind (Auf) Wiederhören! / Tschüss!.

     

    (Gute) Nacht!

    Dieser Abschiedsgruß wird benutzt, wenn wenigstens einer der Gesprächspartner schlafen gehen möchte. Eltern, die ihre Kinder ins Bett bringen, sagen dies auch, bevor sie das Kinderzimmer wieder verlassenhier: hinausgehen ausverlassen, oft ergänzt durch Schlaf gut! oder Träum schön! / Träum süß!. Auf den Abschiedsgruß Gute Nacht! kommt normalerweise die gleiche Antwort: (Gute) Nacht!.
    Eine ironische Variante ist: Na, dann gute Nacht! Dies ist kein Abschiedsgruß, sondern heißt so viel wiehier: ungefährso viel wie: Das kann unangenehm werden.
    Wenn der Tiger wirklich aus dem Zoo ausbrechen aushier: herauskommen aus; weglaufen vonausgebrochen ist – na, dann gute Nacht!

    Neugierig auf mehr?

    Dieser Text ist aus der Zeitschrift Deutsch perfekt 4/2017. Das komplette Heft können Sie in unserem Shop kaufen. Natürlich gibt es die Zeitschrift auch bequem und günstig im Abo.

    Werbung
    <
    >