Silvester

    Szene aus "Dinner for one"
    Von Claudia May

    Am 31. Dezember ist Deutschland ein Land der Rituale. Und auch wenn man als Teenager sagt: Ich werde das/ der Silv¡sterletzter Tag im Jahr; 31. DezemberSilvester nie so feiern wie meine Eltern – es passiert garantiert. Das fängt mit dem Essen an. Da gibt es in fast allen Familien nur zwei Optionen: Raclette oder Fondue. Aber Vorsicht: Bei Raclette meinen die Deutschen nicht das Schweizer Nationalgericht. In Deutschland ist Raclette ein elektrischer der Tischofen, -öfenhier: elektrisches Gerät: Darauf kann man Fleisch oder Gemüse braten oder Speisen heiß machen.Tischofen. Jeder Gast bekommt mindestens eine Miniatur-die Pfanne, -n≈ nicht tiefer Topf zum Braten und BackenPfanne. Darin kann sich jeder etwas zubereiten≈ ein Gericht herstellenzubereiten, aus verschiedenen die Zutat, -enLebensmittel: Man braucht es zur Herstellung von einem Gericht.Zutaten. Ganz wichtig ist aber auch bei der deutschen Raclette-Variante die Zutat Käse.

    Auch beim Fondue muss der Gast sein Essen selbst zubereiten. Die Deutschen kennen verschiedene Varianten: mit Fleisch, Gemüse oder auch den Klassiker mit Käse. Besonders populär ist aber das Fleischfondue, bei dem jeder kleine Fleischstücke an einem der Spieß, -elanges, dünnes Ding aus Metall: Darauf steckt man Fleisch, Gemüse oder Obst.Spieß in heißem Öl oder in heißer die Brühe, -n≈ Suppe: Sie bleibt nach dem Kochen von Fleisch oder Gemüse.Brühe zubereitet. Man isst das Fleisch zusammen mit verschiedenen Soßen.
     

    Käsefondue
    Viele Deutsche essen an Silvester Fondue, zum Beispiel Käsefondue.


    Als Dessert gibt es oft kleine Glücksbringer aus Marzipan. Oder noch einmal Fondue für alle, dann mit Obst und Schokolade. Oft treffen sich Familie und Freunde schon am Nachmittag, um zusammen das Essen für den langen Abend vorbereitenhier: z. B. klein schneiden, Dips machen …vorzubereiten.

    Zu dieser Zeit sind in Norddeutschland Kinder zu sehen, die in Kostümen von Haus zu Haus gehen. Sie singen Lieder in PlattdeutschDialekt im Norden von Deutschlandplattdeutscher Sprache – und bekommen dafür Süßes. Das ist ähnlichfast gleichähnlich wie an Halloween. Die norddeutsche Tradition heißt aber der Rummelpott, -pötte (norddt.)≈ einfaches Musikins­trument: Es sieht fast gleich aus wie ein Topf mit einem großen Löffel. (der Pott, Pötte (ugs.): ≈ Topf)Rummelpottlaufen. Sie ist mehr als 300 Jahre alt. Mit dem Rummelpott haben Kinder früher der Lärm(sehr) laute Geräusche: Man fühlt sich davon gestört. (das Geräusch, -e: Ein Geräusch kann man hören.)Lärm gemacht. Dieser Lärm soll Dämonen ≈ machen, dass etwas/jemand weggehtvertreibenvertreiben. Besonders gefährlich ist es an Silvester, sagt die Legende. Am 31. Dezember macht Wotan nämlich mit vielen seiner Kollegen aus der nordischen Mythologie einen großen Ausflug. Wenn man der alten Legende glaubt, sprechen dann auch Tiere plötzlich so wie Menschen.

    Eine ähnliche Tradition gibt es in den Tagen zwischen Weihnachten und dem 6. Januar auch in Alpennähe: die Perchten. Diese Menschen tragen Kostüme und Masken – und machen Lärm mit die Glocke, -nhier: Ding aus Metall. Wenn man geht oder tanzt, klingelt es.Glocken. Sie sehen oft gefährlich aus. Aber vielleicht muss das so sein, um die Dämonen des Winters zu vertreiben.

    Früher haben viele Menschen in dieser mystischen Zeit auch Orakel geliebt. Noch heute gibt es so eine Tradition am Silvesterabend: das Bleigießen. Dafür schmelzenhier: über einer Kerze weich machen (die Kerze, -n: langes, dünnes Ding: Wenn man es mit einem Streichholz anmacht, gibt es Licht.)schmilzt jeder Gast etwas das Bleisehr schweres, ziemlich weiches, graues MetallBlei und tut es dann in kaltes Wasser. Aus den seltsamso, dass man etwas nicht leicht verstehen kannseltsamen Formen im Wasser assoziieren die Bleigießer persönliche Prognosen für das neue Jahr. Nur: Blei ist sehr giftig. Deshalb empfehlen Experten, lieber das WachsSubstanz für Kerzen: Wenn man sie heiß macht, wird sie weich.Wachs zu nehmen oder etwas anderes zu tun. Zum Beispiel fernsehen.
     

    Bleigießen
    Bleigießen ist eine populäre aber auch giftige  Silvestertradition.


    Im Fernsehen spricht am 31. Dezember immer die die Bundeskanzlerin, -nen≈ Chefin von der RegierungBundeskanzlerin oder der Bundeskanzler. Noch mehr interessiert die meisten der Zuschauer, -hier: Person vor dem FernseherZuschauer aber ein Sketch: Dinner for One. Er ist für den deutschen Silvesterabend nicht weniger als elementar. Der Inhalt des rund 18 Minuten langen Films: Butler James macht alles fertig für Miss Sophies 90. Geburtstag. Den will sie mit vier alten Freunden feiern. Leider sind diese Freunde schon gestorben. Deshalb muss James für jeden von ihnen einen der Trinkspruch, -sprüche≈ ein paar Worte bei einem Fest: Man sagt sie vor dem Trinken von Alkohol; ToastTrinkspruch sprechen – und dann auch den Alkohol von vier Personen trinken. So wird der Butler immer betrunkener. Am Ende kann er fast nicht mehr gehen. Der Sketch ist auf Englisch. Er kommt auch aus Großbritannien. Trotzdem ist er dort unbekannt. Der deutsche Fernsehstar Peter Frankenfeld und der Produzent Heinz Dunkhase haben ihn in einem Theater im englischen Blackpool gesehen. Die beiden Briten Freddie Frinton und May Warden haben Dinner for One dann 1963 in einem Hamburger Theater live für das Fernsehen gespielt. So ist aus dem britischen Import eine der wichtigsten deutschen Silvestertraditionen geworden.
     

    Der Sketch Dinner for One ist an Silvester immer im deutschen Fernsehen zu sehen.


    Später am Abend gehen viele Menschen nach draußen. In den meisten Städten gibt es zentrale Partys. Die größte Open-Air-die Veranstaltung, -enhier: Fest; FeierVeranstaltung Deutschlands findet in Berlin statt: Auf den zwei Kilometern zwischen Brandenburger Tor und die Siegessäule, -nlanges, vertikales Monument mit einer SkulpturSiegessäule feiern jedes Jahr circa eine Million Menschen. Pünktlich um 24 Uhr gibt es dort wie in fast jedem deutschen Ort das Highlight der Nacht: Dann fliegen die meisten die Rakete, -nhier: ≈ kleines Ding: Es kann fliegen und farbige Lichter machen.Raketen und der Böller, -kleines Ding: Es geht mit Lärm und Feuer kaputt.Böller in den der Himmel≈ Luft über unserem Planeten: Dort sieht man die Sonne und Wolken.Himmel. Denn in fast ganz Deutschland ist privates das Feuerwerk, -e≈ Veranstaltung in der Nacht mit kleinen, bunten Lichtern in vielen schönen Farben am HimmelFeuerwerk am 31. Dezember erlaubt. Dafür geben die Deutschen viel Geld aus: Im letzten Jahr waren es 133 Millionen Euro.

    Und noch etwas ist pünktlich um 24 Uhr wichtig: mit etwas der Sekt≈ alkoholisches Getränk, ähnlich wie ChampagnerSekt anstoßen≈ vor dem Trinken gute Wünsche sagen füranzustoßen. Mit einem Trinkspruch wie „Prosit Neujahr“ wünschen sich alle Glück für das nächste Jahr.

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    Dieser Text ist aus der Zeitschrift Deutsch perfekt 1/2018. Das komplette Heft können Sie in unserem Shop kaufen. Natürlich gibt es die Zeitschrift auch bequem und günstig im Abo.

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