Natur im Wohnzimmer

    Weihnachtsbaum
    Von Claudia May

    Die Debatte in Familie Maier ist jedes Jahr die gleiche: Wann ist es Zeit, den Weihnachtsbaum zu kaufen? Die Kinder meinen: So früh wie möglich! Der Papa sieht das anders. Aber dazu später mehr. Die Mama meint: Wenn sie schon so viel Arbeit mit einem Baum haben, dann soll er auch lange in der Wohnung stehen. Außerdem wohnt die Familie in München. Und da sind die Preise für die Bäume alles – nur nicht christlich. 100 Euro hat der letzte Zwei-Meter-Baum gekostet.

    100 Euro: Das ist nicht typisch. Denn im Durchschnitt≈ meistens: Das ist normal.im Durchschnitt kostet ein Weihnachtsbaum in Deutschland pro Meter fast 25 Euro. Schon Ende November beginnt an vielen Orten der Weihnachtsbaumverkauf. Dann aufstellenhier: an einen speziellen Platz stellenstellen die Verkäufer ihre der Tannenbaum, -bäumeBaum: Er ist auch im Winter grün.Tannenbäume auf die Wiese, -n≈ großer Platz in der Natur: Hier gibt es viel Gras. (das Gras, Gräser: viele kleine grüne Pflanzen: Viele Tiere essen sie.)Wiesen und Plätzen in den Kommunen aufstellenhier: an einen speziellen Platz stellenauf. Plötzlich gibt es zwischen U-Bahn-Treppen und Straßenbahnhaltestellen einen kompletten Wald. ähnlichfast gleichÄhnlich ist es vor Supermärkten.
     

    27 Millionen

    Weihnachtsbäume kommen circa in deutsche Wohnzimmer


    Circa 27 Millionen Weihnachtsbäume kommen in deutsche Wohnzimmer, sagt der der Bundesverband der WeihnachtsbaumerzeugerOrganisation für die Hersteller von Weihnachtsbäumen in ganz DeutschlandBundesverband der Weihnachtsbaum­erzeuger. Jeden zehnten davon kaufen die Menschen im Topf. Der der Rest, -ehier: alle anderen BäumeRest kommt schlagenhier: vom Boden wegmachen (der Boden: Ort: Darauf geht und steht man.)geschlagen nach Hause und dann in den der Tannenbaumständer, -Konstruktion: Darin steht der Tannenbaum.Tannenbaumständer. Früher waren das sehr einfache das Metallgestell, -e≈ MetallkonstruktionMetallgestelle. Heute arbeiten Tannenbaumständer mit das Zugseil, -ehier: dünnes, langes Ding aus speziellem Metall: Es hält den Baum vertikal und stabil.Zugseilen und einem Wassertank. Denn auch wenn ein echthier: ↔ falschechter Baum sehr romantisch ist und nach Wald riecht: Er verliert bei Zimmertemperatur schnell die Nadel, -nhier: ≈ dünnes grünes Blatt an manchen BäumenNadeln. Mit ein bisschen Wasser ist es nicht ganz so schlimm.

    Nadeln im Wohnzimmer sind nicht sehr populär. Das wissen auch die Weihnachtsbaumerzeuger. Deshalb bieten sie spezielle Bäume an. Der Klassiker ist die Nordmanntanne (Abies Nordmanniana). Mehr als 75 Prozent der Kunden kaufen diese Sorte. Denn die Nordmanntanne verliert nicht nur spät ihr dunkles Grün. Ihre Nadeln sind auch ziemlich weich. Nordmanntannen wachsen  , hier: größer werdenhier: größer werdenwachsen sehr schön und können ohne Probleme schweren der Schmuckhier: DekorationSchmuck tragen.
     

    75 Prozent

    der Kunden kaufen Nordmanntannen


    Weihnachtsbäume hat es schon vor 500 Jahren gegeben. Johann Wolfgang von Goethe hat die Tradition 1775 an den der Hof, Höfehier: Ort: Hier leben Aristokraten.Hof in Weimar (heute Thüringen) gebracht. Der bekannte der Dichter, -Poet; LyrikerDichter hat in seiner Zeit in Straßburg zum ersten Mal gesehen, wie man mit dem Baum ein Stück Natur ins Wohnzimmer holt. Die Idee hat ihm sofort gefallen.

    Früher haben die Menschen meistens leckere Dinge zum Essen an ihre Bäume gehängt: Äpfel, die Nuss, Nüssee≈ hartes, kleines Ding: Man kann es essen und daraus wird z. B. ein Baum.Nüsse oder auch das Gebäck, GebäckeSpeise: Man hat sie gebacken, z. B. Kuchen.Gebäck. Sehr wichtig waren auch echte die Kerze, -nlanges, dünnes Ding: Wenn man es mit einem Streichholz anmacht, gibt es Licht.Kerzen. Später ist dann der Schmuck dazukommenhier: auch benutzt werdendazugekommen, wie man ihn heute kennt. Ab 1870 hat man ihn in großen Mengen hergestellt. Der Baumschmuck war auch immer ein Spiegel der Zeit – und des der Wohlstandgute finanzielle SituationWohlstands der Familie. Aristokraten konnten dekadenten Schmuck aus Glas in ihre Tanne hängen. Arme Menschen haben sich über eine süße Extraportion für den hungrighier: so, dass er Hunger hathungrigen Bauch gefreut.

    Heute kommt der größte Teil der Weihnachtsdekoration aus China. Im Dezember 2015 hat auch die letzte deutsche Firma mit der Produktion von das Lamettasehr schmale und lange Stücke aus dünnem Metall (Dekoration für den Weihnachtsbaum)Lametta aufgehört. Traditionelle die Handwerkskunst, -künste≈ Wissen und Können, wie man ein Produkt mit Händen und Werkzeugen herstelltHandwerkskunst gibt es aber noch.

    Wer dekoriert den Baum – Eltern, Kinder oder alle zusammen? Das ist in jeder Familie unterschiedlich. genausohier: ≈ gleichGenauso unterschiedlich ist die Antwort auf die Frage: Sollen die Kinder erst am Weihnachtsabend den fertigen Baum sehen? In manchen Familien ist für Kinder vorher das komplette Wohnzimmer tabu. Dann kommt der Baum meistens auch erst am 24. Dezember in die Wohnung.

    So war es auch bei den Eltern von Arnfried Maier, des Vaters der Familie aus München. Und deshalb gibt es in der Familie auch jedes Jahr die Diskussion über den idealen Moment für den Kauf des Baums. Denn wenn den Deutschen an Weihnachten etwas wichtig ist, dann die eigene Familientradition.

    So können sich Maiers Eltern auch nicht sich vorstellenhier: sich denkenvorstellen, ihren Baum am nächsten Supermarkt zu kaufen. Sie fahren jedes Jahr Monate vor Weihnachten zu einer Tannenbaumdie Plantage, -n (franz.)großes Stück Land: Dort wachsen z. B. Weihnachtsbäume oder Früchte.plantage in ihrer Region. Dort reservieren sie einen hübschen Baum. Der Anbieter schlägt ihn erst kurz vor dem Fest und bringt ihn dann nach Hause.
     

    5,5 Millionen

    Deutsche haben ihren Weihnachtsbaum 2018 im Internet bestellt


    Immer populärer wird aber auch das Bestellen des Weihnachtsbaums im Internet. 2018 haben das nach Analysen des Portals Statista circa 5,5 Millionen Deutsche gemacht. Man kann seinen Wunschbaum auch schon komplett dekoriert bekommen – für circa 200 bis 400 Euro. Aber so viel Service passt für die meisten Menschen im Land nicht zur Familientradition.

    Und wie lange bleibt der Baum stehen? Auch das ist ganz unterschiedlich. In einer Statista-die Umfrage, -nsystematisches FragenUmfrage sagten 27 Prozent: Der Baum kommt zwischen Neujahr und dem 6. Januar weg. 19 Prozent sagten: am 6. Januar. Und 32 Prozent: nach dem 6. Januar. Die meisten Kommunen einsammeln≈ sammeln; mitnehmensammeln die Bäume nach diesem Termin einsammeln≈ sammeln; mitnehmenein.

    So ganz verlassenweggehen und nicht mehr zurückkommenverlässt der Weihnachtsbaum deutsche Familien aber nicht: In vielen Wohnungen liegen Monate später noch  Nadeln unter Schränken und Teppichen. Vielleicht muss das so sein, wenn jedes Jahr wieder ein Stück Natur ins Wohnzimmer kommt.

     

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