Mehr als ein Konzerthaus

    Baustelle: Hamburger Elbphilharmonie
    Von Barbara Kerbel

    Zweieinhalb Minuten dauert die Fahrt auf der die Rolltreppe, -nTreppe, die automatisch fährtRolltreppe. In dieser Zeit fährt der Besucher durch einen weiß glitzerndhier: so, dass viele kleine Spiegel Licht reflektierenglitzernden Tunnel. Am Ende wird die Treppe immer flacher, es vorangehen≈ weitergehengeht fast horizontal vorangehen≈ weitergehenvoran. Dann öffnet sich ein fantastisches Panorama: Licht und die Weitevon: weit; ≈ BreiteWeite und eine spektakulär≈ toll; besonders schönspektakuläre Aussicht über den Hafen und die Stadt.

    Ein Besuch auf der Plaza im achten Stock der Elbphilharmonie ist kostenlos. Auch ohne Konzertkarten kann man auf die Plattform in 37 Metern die Höhe, -nvon: hochHöhe fahren. Gäste müssen sich vorher nur ein Ticket holen. Oben können sie an der Bar ein Bier trinken, auf einer der Holzbänke an der gläsernaus Glasgläsernen Fassade sitzen und einmal um das Gebäude laufen. Es ist zwar auch an sonnigen Tagen windig, aber trotzdem ein magischer Ort. Jeden Tag kommen Tausende Besucher, um die Aussicht zu genießenFreude haben angenießen – und sich einen Eindruck machen voneine Meinung/Idee bekommen vonsich einen sich einen Eindruck machen voneine Meinung/Idee bekommen vonEindruck von Hamburgs Prestigeprojekt zu sich einen Eindruck machen voneine Meinung/Idee bekommen vonmachen.

    Als Ende Mai 2010 die Plaza zum ersten Mal für die Hamburger geöffnet wird, ist die Elbphilharmonie noch kein architektonisches das Wunder, -hier: besonders tolle SacheWunder, sondern Deutschlands skandalöseste Baustelle. Außer der Baufirma und den Architekten können sich zu diesem Zeitpunkt nur wenige Hamburger über das das Richtfest, -eFeier an einer Baustelle, wenn der Rohbau fertig ist (der Rohbau, -ten , Gebäude, von dem nur die Mauern fertig gebaut sind)Richtfest freuen. Die Öffnung der Plaza ist ein kleines das Versöhnungsangebot, -eAktion, die einen Streit symbolisch beenden sollVersöhnungsangebot an die Bürger. Die Elbphilharmonie ist zwar noch ein nach der Beton (franz.)sehr harte BausubstanzBeton riechender Rohbau, ohne Magie. Aber die fantastische Aussicht 37 Meter über dem Boden gibt es schon. 4000 Tickets verlosen≈ an zufällige Gewinner schenkenverlost die Stadt – sie weg seinhier: nicht mehr zu haben seinsind nach wenigen Stunden weg seinhier: nicht mehr zu haben seinweg. Die Hamburger können sich endlich sich ein positives Bild machen vonhier: ≈ so kennenlernen, dass man etwas gut findetein positives Bild von der größten Baustelle der Stadt sich ein positives Bild machen vonhier: ≈ so kennenlernen, dass man etwas gut findetmachen.

    Die Geschichte des Gebäudes beginnt 2001 mit der Idee zweiervon zweizweier Hamburger. In dem Jahr beginnen auf einer früheren Hafeninsel die Bauarbeiten für einen neuen Stadtteil: die Hafencity. Dort steht auch ein altes das Speichergebäude, -≈ LagerhausSpeichergebäude. Der Architekt Alexander Gérard und seine Frau, die Kunsthistorikerin Jana Marko, haben die Idee, dort ein Konzerthaus zu bauen. Die Stadt hat zu diesem Zeitpunkt noch andere Pläne für das Areal.  auf eigene Kosten≈ mit eigenen FinanzenAuf eigene Initiative und auf eigene Kosten≈ mit eigenen FinanzenKosten bittet Gérard das Schweizer Architekturbüro Herzog & de Meuron um einen ersten der Entwurf, -würfePlan; VorschlagEntwurf – die Baseler sind Studienkollegen Gérards.

    Als Herzog & de Meuron im Juni 2003 ihren Entwurf mit dem wellenförmigin Form von Wasser, das sich bewegtwellenförmigen Dach präsentieren, finden sie in Hamburgs Politik und die Öffentlichkeithier: Medien und ihr PublikumÖffentlichkeit schnell viele Unterstützer. Im April 2007 wird der den Grundstein legenden Baubeginn eines Gebäudes feiernGrundstein gelegt.

    Geplant ist ein Stück spektakuläre Architektur für den neuen Stadtteil. Architekten und Ingenieure sich sicher seinhier: sicher wissensind sich sicher, dass sie ein fantastisches Gebäude bauen – in dem nicht nur einer der besten der Konzertsaal, -sälegroßer Raum für KonzerteKonzertsäle der Welt Platz hat, sondern auch ein Hotel, ein Parkhaus und 45 Luxus­wohnungen. Den Auftrag für die Akustik bekommt der Japaner Yasuhisa Toyota, einer der besten Experten der Welt dafür.
     

    Die Elbphilharmonie kostet am Ende der Bauarbeiten mehr als zehnmal so viel wie geplant.


    Aber die Baustelle macht in den ersten Jahren viele Probleme. Die Elbphilharmonie ist eines der Großprojekte der letzten 20 Jahre, die vor allem durch schlechte Nachrichten berühmt werden: Baufehler, nicht funktionierende Zeitpläne – und immer höhere Kosten. Die Öffentlichkeit hat durch diese Skandale von Großprojekten in den letzten Jahren viel gelernt. Zum Beispiel, dass die Baufirmen zu Beginn eigentlich immer mit sehr niedrigen Kosten kalkulieren, um in die öffentliche Ausschreibung, -en≈ öffentliche Einladung, dass sich Firmen für eine spezielle Aufgabe bewerben könnenöffentlichen Ausschreibungen besonders günstige Angebote machen zu können. So hoffen sie, den Auftrag sicher zu bekommen. Wenn die Bauarbeiten erst einmalhier: ≈ sofort wennerst einmal be­gonnen haben, kostet jede Änderung extra. Die großen Firmen beschäftigenhier: eine Arbeitsstelle gebenbeschäftigen dafür Juristen, die nach die Lücke, -nhier: ungenaue Vereinbarung, durch den Teile eines Vertrags in speziellen Situationen ungültig sindLücken in den Verträgen suchen. Ein anderes typisches Problem sind Konflikte zwischen Architekten und Baufirmen – die sich oft gegenseitig die die Schuld gebenmeinen, dass … schuld istSchuld für Probleme die Schuld gebenmeinen, dass … schuld istgeben.

    Die Elbphilharmonie kostet am Ende der Bauarbeiten mehr als zehnmal so viel wie geplant. Am Anfang wollte die Stadt nicht mehr als 77 Millionen Euro für das Projekt ausgeben. Den Rest sollten … übernehmenhier: die Idee war, dass … bezahlensollten der Spender, -hier: Person, die Geld schenkt, um zu helfenSpender und Investoren sollten … übernehmenhier: die Idee war, dass … bezahlenübernehmen. Als die Elbphilharmonie im Oktober 2016 endlich fertig ist, hat sie die Stadt fast 800 Millionen Euro gekostet. Dazu kommen nochmal fast 100 Millionen Euro aus Spenden.

    Als Hamburg im Mai 2010 Richtfest feiert, fehlen der Stadt 500 Millionen Euro im der Haushalt, -ehier: ≈ Geld, das eine Stadt bekommt und ausgibtHaushalt. Sie erhöhenhöher machenerhöht sogar≈ auchsogar die Kindergartengebühren. Vor der Baustelle protestieren deshalb Menschen gegen die Konsequenzen des der Prestigebau, -tenGebäude, das man für das Prestige einer Stadt bauen lässtPrestigebaus. Aber die Stadt will ihr neues das Wahrzeichen, -Gebäude oder Gegenstand, der das Symbol für einen Ort istWahrzeichen weiterbauen.

    Nach vielen Problemen, immer neuen die Verhandlung, -envon: verhandeln = über etwas diskutieren, um ein Problem zu lösen oder etwas zu vereinbarenVerhandlungen mit der Baufirma Hochtief und einem eineinhalbjährigen Bau­stopp wegen Problemen mit der Statik wird die Elbphilharmonie trotzdem noch fertiggebaut. Im Herbst 2016 wird das Gebäude für die Öffentlichkeit geöffnet, im Januar 2017 finden die ersten Konzerte statt. Das Publikum begeistert sein (von)… sehr toll findenist sofort begeistert sein (von)… sehr toll findenbegeistert.

    Die Skandale, die vielen Millionen, das jahrelange Warten? Das alles ist seit der musikalischen Premiere im fertigen Konzerthaus schon lange vergessen. Sofort waren die Publikumsreihen jeden Abend voll. Tausende besuchten die Plaza. Musiker lobten die Akustik. Die Elbphilharmonie ist wirklich Hamburgs neues Wahrzeichen geworden.

     

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