Gentechnik eine Chance geben?

    Schwer
    Reagenzgläser mit Pflanzen
    Von Claudia May

    Ja

    „Aktuell gibt es keine Hinweise für eine Gefahr.“

    Kürzlich haben 133 der Nobelpreisträger, -Person, die den Nobelpreis bekommen hat (der Nobelpreis, -e: Geld für die Besten in Chemie, Literatur, Medizin Physik und für den Frieden)Nobelpreisträger in einem offiziellen Brief für den der Einsatz, Einsätzehier: VerwendungEinsatz moderner gentechnischer Methoden werben fürhier: versuchen, viele Unterstützer für den Einsatz gentechnischer Methoden zu bekommengeworben. Es gibt nach Meinung dieser Experten keine eindeutigdeutlich; direkteindeutigen wissenschaftlichen der Beleg, -ehier: Sache, die zeigen soll, dass eine Aussage richtig istBelege, weshalb Methoden der genetischen Veränderungen von Pflanzen natürlicher, gesünder oder grundsätzlich weniger risikoreich sein sollten als gezieltmit einem speziellen Zielgezielte Veränderungen durch gentechnische Methoden.

    Das das Erbgut≈ alle GeneErbgut von Pflanzen wird heute oft mit radioaktiver die Strahlung, -enhier: ≈ EnergieStrahlung oder die Chemikalie, -nchemische SubstanzChemikalien verändert. Auch wird das Erbgut unter anderem durch UV-Strahlung verändert – oft nicht zum Vorteil des Organismus. All diese Verfahren sind zum großen Teil erlaubt, solche Pflanzen wachsen schon lange auf unseren Feldern und kommen auf unseren Teller. Wie genau das Erbgut von Organismen verändert wurde, kann man später häufig nicht mehr erkennen.

    Aktuell sind 150 Medikamente zugelassen, die mithilfe moderner gentechnischer Verfahren hergestellt werden, zum Beispiel Insulin. Große Hoffnung besteht auch bei erblich≈ so, dass man etwas über die Gene, z. B. von den Eltern, bekommen kannerblichen Krankheiten. Auch in der Industrie (Beispiel: die Entsorgungstechnik≈ Sektor, der sich mit dem Wegmachen von Müll beschäftigtEntsorgungstechnik) und der Landwirtschaft gibt es große Chancen – zum Beispiel bei Pflanzen, die weniger krankheitsanfällighier: so, dass Pflanzen leicht krank werdenkrankheitsanfällig sind und den Chemikalien-Einsatz (zum Vorteil für die Böden!) reduzieren.

    Wichtig ist: Neue Technologien dürfen nicht nur für wenige nutzbar sein. Auch kleinere Firmen und Forschungseinrichtungen müssen neue Technologien nutzen können. Der die Bewertung, -enAuskunft, ob etwas gut oder schlecht istBewertung und Regulierung einer Technologie müssen allerdings strenge wissenschaftliche Untersuchungen und der/das Fakt, -enSache, die Wirklichkeit ist; hier: InformationFakten zu den Konsequenzen einer Technologie für Mensch, Tier und Umwelt zu Grunde liegen.

    Theresia Bauer (Bündnis 90 / Die Grünen) ist Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Baden-Württemberg.

     

    Nein

    „Es gibt Risiken für Menschen und Umwelt.“

    Wir lehnen die Gentechnik in Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion ab, da sie mit Risiken für Menschen und Umwelt verbunden ist. Außerdem gibt es schon lange erprobtlange und häufig getesteterprobte Alternativen für eine zukunftsfähigmit Zukunftzukunftsfähige Landwirtschaft und für die Herstellung sicherer und gesunder Lebensmittel.

    Die Erfahrung mit gentechnisch veränderten Organismen (GVO) auf unseren Feldern zeigt: GVO sich verbreitenhier: ≈ machen, dass sie auf vielen Feldern istverbreiten sich unkontrolliert. Auch reduzieren herbizidresistenthier: so, dass Herbizide nicht mehr wirken könnenherbizidresistente und insektenresistente GVO, die zusammen fast 100 Prozent der anbauenhier: Pflanzen in die Erde setzenangebauten GVO betragen, längerfristigfür längere Zeit; hier: in Zukunftlängerfristig weder den Einsatz von Herbiziden noch den von Insektiziden. Mit der Zunahme des GVO-Anbaus und der Adaption vieler Pflanzen an Herbizide, allen voran Glyphosat, stieg der Herbizidverbrauch in den letzten Jahren sehr stark.

    Schadinsekten werden zunehmend resistent gegen die in GVO gebildeten Giftstoffe. Das sichert zwar den Herstellern den Insektizidverkauf, nicht aber die die Artenvielfaltviele Varianten von Tier- und PflanzenartenArtenvielfalt. Denn Herbizide reduzieren die Wildpflanze, -nPflanze, die wächst, ohne dass Menschen sich darum kümmernWildpflanzen in Zahl und Vielfalt und in der Konsequenz auch die von ihnen abhängigen Tiere. Giftstoffe der insektenresistenten GVO bringen auch sogenannte Nichtziel-Organismen in Gefahr, also Tiere, die über Pflanzenmaterial wie der Pollen, -extrem kleines Teilchen, das die Blüte einer Pflanze herstelltPollen damit in Berührung kommen.

    Dazu kommt: Die gentechnische Veränderung kann führen zuhier: verursachenzu unerwarteten Effekten auf den Metabolismus der Pflanzen führen zuhier: verursachenführen und die Qualität der Lebensmittel beeinflussen. Auch gibt es wahrscheinlich erhöhte Pestizidder Rückstand, -ständeRest; etwas von einer Substanz, was übrig bleibtrückstände in Lebensmitteln. Die neue, angeblich genauere Gentechnik verfolgt vergleichbare Ziele, Risiken sind möglich. Sie ist zu Recht genauso zu regeln wie die bisherige Gentechnik.

    Martha Mertens ist die Sprecherin, -nenhier: Frau, die im Namen und Interesse einer Gruppe sprichtSprecherin des der Arbeitskreis, -eGruppe von Personen, die sich um ein Thema oder Problem kümmertArbeitskreises Gentechnik im der Bund, Bündehier: organisierte GruppeBund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND).

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    Dieser Text ist aus der Zeitschrift Deutsch perfekt 9/2018. Das komplette Heft können Sie in unserem Shop kaufen. Natürlich gibt es die Zeitschrift auch bequem und günstig im Abo.

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