„Deutsche lieben den 50-Euro-Schein“

    Geldabheben am Automaten
    Von Alia Begisheva

    Stellen Sie sich vor, es ist ein ganz normaler Tag ohne besondere der Höhepunkt, -ewichtigster oder schönster MomentHöhepunkte. Sie laufen nach der Arbeit nach Hause und denken über das Leben nach. Und dann sehen Sie plötzlich etwas Buntes auf dem grauen Boden der die Fußgängerunterführung, -enWeg für Fußgänger, der unter einer Straße hindurchführtFußgängerunterführung. Ihr Herz fängt an, höherschlagenhier: schneller klopfenhöherzuschlagen. Ist es wirklich das, was Sie denken? Kann es wahr sein? Bei mir war es jedenfalls wahr: Ich habe einen 50-Euro-Schein gefunden. Ich muss zugebenhier: ehrlich sagenzugeben: Ich hatte ein ziemlich das schlechte Gewissenhier: Gefühl, etwas Falsches zu tunschlechtes Gewissen, als ich ihn in die Tasche steckte. Zwar war kein Besitzer des Scheins zu sehen, trotzdem habe ich mir Gedanken um ihn gemacht. Was das für ein Mensch sein mag?Wie ist dieser Mensch wahrscheinlich?Was das wohlhier: dennwohl Was das für ein Mensch sein mag?Wie ist dieser Mensch wahrscheinlich?für ein Mensch sein mag? Schließlich waren es nicht zehn oder 20, sondern 50 Euro. So viel Geld! Ich sich schämensich schlecht fühlen, weil man etwas falsch gemacht hatschämte mich sogar, jemandem von meinem der Fund, -ehier: Geld, das man gefunden hatFund zu erzählen. Bis eines Tages die die Erlösungvon: erlösen = frei machen von Sorgen oder SchmerzenErlösung kam.

    Ich fand einen Zeitungsartikel. Deutsche, stand darin, lieben den 50-Euro-Schein. So sehr, dass 35,8 Prozent der die Note, -nhier: GeldscheinNoten in einem deutschen Geldbeutel 50-Euro-Noten sind. Und das muss was heißen! Die Deutschen sind nämlich Bargeldfetischisten. Sie bezahlen sogar Möbelstücke und Gebrauchtwagen bar. Während ich sich durchmogelnugs.: mit Tricks irgendwohin kommenmich mithilfe diversverschiedendiverser Plastikkarten sich durchmogelnugs.: mit Tricks irgendwohin kommendurch das Leben sich durchmogelnugs.: mit Tricks irgendwohin kommenmogle, abhebenhier: (Geld vom Konto) nehmenheben die Deutschen neues Bargeld abhebenhier: (Geld vom Konto) nehmenab, obwohl sie noch welches im Portemonnaie haben.
     

    Der Fünfziger gibt den Menschen ein gutes Gefühl. Er ist nicht so klein, dass man den Überblick verliert . Aber auch nicht so groß, dass man sich besonders sorgen müsste, wenn man einen verloren hat.


    Nun weiß ich, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ein 50-Euro-Schein da he­rausfällt, viel höher ist als bei einem Zehner oder Zwanziger. Heute gibt es sechs Mal mehr Fünfziger als zur Einführung des Euro, während die Beliebtheit der kleinen Scheine unverändert ist. Die Notenbanken drucken nämlich das, was am meisten nachgefragt wird.

    Die Zeitung lieferte gleich eine Erklärung dafür: Der Fünfziger gibt den Menschen ein gutes Gefühl. Er ist nicht so klein, dass man den Überblick verliert. Aber auch nicht so groß, dass man sich besonders sorgen müsste, wenn man einen verloren hat. Voilà! Mein schlechtes Gewissen war weg. Ich sich ausmalenhier: denken, wie etwas sein wirdmalte mir diesen durchschnittlichen Deutschen sich ausmalenhier: denken, wie etwas sein wirdaus, der unverhoffthier: plötzlich; unerwartetunverhofft 50 Euro fallen ließ, einen netten Mann mit weißem der Schnurrbart, -bärteBart zwischen Mund und NaseSchnurrbart. Als er den Verlust feststellt, ärgert er sich ein bisschen, am Ende ist er aber ganz zufrieden. „Mensch, bin ich schlauhier: intelligentschlau, dass ich keinen Zweihunderter ins Portemonnaie gesteckt habe“, sagt er zu seiner Frau. Er verzeiht mir.

    Die Wahrscheinlichkeit, einen Zweihunderter zu finden, liegt übrigens fast bei null. Selbst 100-Euro-Scheine sind zehn Mal seltener als Fünfziger. Viele Geldautomaten haben auch gar keine vorrätighier: so, dass etwas da istvorrätig. Das ist komisch, war doch der 100-die (Deutsche) Markfrüheres Geld in Deutschland: 1 Mark ≈ 50 CentMark-Schein in der alten Bundesrepublik der beliebteste Geldschein. Und das, obwohl er – rein flächen-mäßighier: alles, was mit der Sache zu tun hat, die im ersten Wort genannt wirdmäßig – größer und damit unbequemer war als der 100-Euro-Schein.

    Was ist bloß passiert? Ist der Deutsche bescheidenmit wenig zufriedenbescheidener geworden? Hat er andere Statussymbole, schätzenhier: den Wert von etwas Gutem erkennenschätzt er mehr die inneren Werte? Kann er anderen schneller verzeihen? Oder ist es doch ein Zeichen dafür, dass er sich anfreunden mithier: gut finden; mögensich immer mehr sich anfreunden mithier: gut finden; mögenmit Kartenzahlungen sich anfreunden mithier: gut finden; mögenanfreundet? Ich jedenfalls begrüße diese Entwicklung sehr.

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