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    Brauchen Sie eine Tüte?

    Mittel
    Deutsch perfekt 9/2021
    Darf ich vorstellen?
    Von Claudia May

    Nicht ohne Grund sind deutschsprachige Einkaufssketche in den sozialen Medien der Hit. Einer der Videotrends betreffenhier: zum Inhalt habenbetrifft das sagenhaftugs.: besonders toll; so, dass man überrascht istsagenhafte das KassiertempoSchnelligkeit, mit der kassiert wird (kassieren: hier: an der Kasse scannen und Geld nehmen)Kassiertempo in deutschen Discountern, bei dem die Kundin mit dem sortierenin eine Ordnung bringenSortieren, Einpacken und Zahlen gar nicht mehr hinterherkommenhier: ugs.: schnell genug seinhinterherkommt – so schnell fliegenhier: ≈ schnell vorbeigehen/laufenfliegen die Produkte über das das Band, Bänderhier: lange, breite Konstruktion neben der Supermarktkasse, die sich automatisch bewegtBand. Egal, ob Deutschlerner oder die Muttersprachlerinhier: Frau, deren Muttersprache Deutsch istMuttersprachlerin: Alle wissen genau…, wie sich das anfühlt.…, wie das für einen selbst ist., wie sich das anfühlt.

    Ein anderer Sketch Nachahmer findenvon immer mehr Leuten kopiert werdenfindet vor allem bei Lernenden der deutschen Sprache immer mehr Nachahmer findenvon immer mehr Leuten kopiert werdenNachahmer. Denn wie so oft geht es um deutsche, zum Meme gewordene Sprachphänomene. Das das Lustigelustige SacheLustige bei dem Trend ist vor allem, dass die die Erstellerin, -nenFrau, die einen Online-Post macht, z. B. ein Meme oder VideoErstellerinnen nicht nur die Deutschen, sondern auch sich selbst aufs Korn nehmenugs.: Späße machen überaufs Korn nehmen. Sie spielen den Sketch nämlich in beiden Rollen: auf der einen Seite die freundliche Person an der Kasse, die fließend Deutsch spricht und ihren Beruf mit sehr viel Routine macht. Auf der anderen Seite der hoffnungsloshier: negativ, ugs.: extremhoffnungslos überfordertso, dass man gar nicht weiß, wie man reagieren sollüberforderte Kunde, der beim Bezahlen nie im Lebenugs.: absolut nichtnie im Leben so viele offenhier: so, dass es mehr Antworten gibt als „Ja“ oder „Nein“offene Fragen erwartet hätte, wie sie an deutschen Kassen immer und immer wieder gestellt werden.

    > (Kunde, stolz, weil auf Deutsch) Guten Tag!
    < (Kassierer, freundlich) Guten Tag! Haben Sie eine die Budni-Karte, -nKundenkarte der Drogeriemarktkette Budni (die Drogeriemarktkette, -n: Firma mit vielen Geschäften für z. B. Putzmittel und Kosmetik an verschiedenen Orten)Budni-Karte?
    > (Kunde, auf diese Frage bestenshier: sehr gutbestens vorbereitet) Nein.
    < (Kassierer, freundlich) Okay … Brauchen Sie eine Tüte?
    > (Kunde, im Schock, weil absolut unvorbereitet; versucht den perfekten Deutschmoment zu retten, lacht verlegenhier: so, dass einem etwas unangenehm vor anderen ist; unsicherverlegen) Haha.
    < (Kassierer, mit irritiert≈ unsicherirritiertem Blick) Brauchen Sie eine Tüte?
    > (Kunde, zögerlichhier: vorsichtigzögerlich) Mhm … Ja!
    < (Kassierer, in absoluter Routine) der Bon, -s (franz.)kurz für: Kassenbon = Zettel, auf dem steht, wann und wie viel man bezahlt hatBon?
    > (Kunde; weiß, dass der perfekte Deutsch­moment kaum mehr zu retten ist, schwitzenhier: ≈ salziges Wasser auf der Haut haben, weil man sehr nervös istschwitzt)
    < (Kassierer, unsicher) Kassenbon?
    > (Kunde; weint fast) I don’t know what that means!

    Wer ausschließlichhier: nurausschließlich mit sozialen Medien lernt, wie man in Deutschland zurechtkommt, wird nach diesem Video vielleicht etwas enttäuscht sein: Denn die Frage nach der Budni-Karte wird einem höchstens in Hamburg und anderen Teilen Norddeutschlands gestellt. Nur dort hat die Drogeriemarktkette Budni ihre Geschäfte. An anderen Ladenkassen sind trotzdem auch oft zuerst irgendwelche Kundenkarten das Thema.

    „Nein“ ist für den ersten perfekten Deutschmoment also ziemlich sicher gut. Die Routinefragen, ob man eine Tüte und einen Kassenbon braucht, sind natürlich überall Standard. Wer vorbereitet ist, hat keinen Grund zu schwitzen. So lernen auch Muttersprachler aus den sozialen Medien: Routineformeln können erste perfekte Deutschmomente retten.

    Jede Sprache braucht Vorstellungsformeln. Auf Deutsch sind das zum Beispiel Mein Name ist …, Ich bin / heiße … oder aber auch Darf ich vorstellen?, wenn man eine andere Person bekannt machenhier: die eine Person (einer) anderen vorstellenbekannt macht. überhaupthier: meistensÜberhaupt sind rhetorische Fragen meistens gut: Nach einem Kennen Sie sich? oder Kennt ihr euch? erwartet man keine Antwort. Man fängt nämlich gleich an, die anderen Menschen vorzustellen. Und was sagen die Leute, die sich die Hand oder (seit Corona) den der Ellenbogen, -bewegliche Verbindungsstelle zwischen Oberarm und UnterarmEllenbogen geben? Für der/die Ungeübte, -nPerson ohne ÜbungUngeübte ist das sicher kein „das Vergnügen≈ Freude; SpaßVergnügen“, denn das Englische My pleasure! lässt sich nicht ohne Probleme direkt übersetzen.

    Kennenlernfreude

    Freut mich! Freut mich, Sie/dich kennenzulernen! / Angenehm!

    Wer sich zuerst freuen darf, hat es gut. Aber was sagt die nächste Person? Auf ein Freut mich! können Sie mit Freut mich auch! antworten, oder im formelleren Kontext die Formeln Sehr erfreut!≈ Das freut mich sehr.Sehr erfreut! (formell) und Ganz meinerseits!≈ Ich freue mich auch, Sie kennenzulernen.Ganz meinerseits! benutzen.

    > Kennen Sie sich? Das ist Miguel Montoya. Er arbeitet seit Montag bei uns und ist der neue Assistent der die Geschäftsleitung, -enPerson, die eine Firma besitzt und/oder leitetGeschäftsleitung.  
    < Schön, Sie kennenzulernen!
    > Ganz meinerseits!

    Wenn Sie einer ganzen Gruppe vorgestellt werden, wollen Sie wahrscheinlich nicht immer dasselbe sagen.

    > Darf ich vorstellen? Das ist Miguel Mon­­toya. Er hat heute seinen ersten Tag bei uns und ist der neue Assistent der Geschäftsleitung.
    < Guten Tag, schön, Sie alle kennenzulernen. ((die) Hände schüttelnsich die Hände gebenHände schüttelnd) Sehr erfreut! … Die Freude ist ganz meinerseitshier: meinemeinerseits … Angenehm! … Freut mich auch!

    Kennenlernfreude? eher≈ mehrEher Kennenlernstress! Zum Glück braucht wahrscheinlich nur eine Queen die vielen möglichen Synonyme für ein einfaches My pleasure! Lange Begrüßungszeremonien können aber auch in Deutschland die Norm sein. Das dann aber meistens nur am Arbeitsplatz, wenn die Firma sehr groß und der Kontakt dort sehr formell ist.

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