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    32 Grammatikfehler, die Sie im Deutschen bald nicht mehr machen

    Mittel
    Deutsch perfekt 1/2020
    Häufiger Grammatikfehler im Deutschen "Das ist seine Katze" statt "Das ist ihre Katze" (wenn es um Frau Maurer geht)
    Von Daniela Niebisch

    Die deutsche Grammatik ist nicht einfach. Deshalb ist es verständlichgut zu verstehenverständlich, dass Lerner bestimmte Fehler immer wieder machen. Das ist auch nicht schlimm: Fehler gehören zu~ ein Teil sein vongehört zum Sprachenlernen. Und normalerweise versteht Ihr Gesprächspartner Sie auch, wenn Ihre Grammatik nicht ganz korrekt ist.

    Trotzdem ist es natürlich gut, zu wissen, welche Fehler Sie oft machen – und dann zu versuchen, diese zu vermeiden. Dabei hilft Ihnen diese Liste mit typischen Grammatikfehlern bei Deutschlernern.

    1. Fehler beim Komparativ

    Das Wort mehr ist der Komparativ von viel.
    Essen Sie mehr Gemüse als Fleisch.
    Andere Komparative bildet man mit -er.
    Köln ist mehr klein kleiner als Berlin. Und ich finde die Stadt mehr interessant interessanter.

    2. Falscher Imperativ

    Bei Aufforderungen und Bitten an eine Person, zu der man Du sagt, fallen du und die Endung -st weg.
    Machst du Mach bitte das Fenster zu!

    3. Kein zu beim Dativobjekt!

    Das Dativobjekt funktioniert wunderbar ohne zu.
    Mara hat zu ihrer ihrer Tochter neue Schuhe gekauft.

    4. Dativ oder Akkusativ?

    Dativ oder Akkusativ? Nach den meisten Verben steht das Objekt im Akkusativ. Lernen Sie deshalb nicht jedes Verb mit seinem Kasus, sondern nur die Verben mit Dativ. Das ist dann eine Liste, die nicht besonders lang ist. Hier fünf Beispiele: antworten, danken, gefallen, helfen, zuhören.
    Hilf mich mir bitte!

    5. Fehler bei Verben mit zwei Objekten

    Manche Verben haben zwei Objekte. Auch hier gibt es eigentlich nicht so viel zu memorieren, wie viele Deutschlernende glauben. Es ist nicht einfach nur Grammatik, sondern auch Logik, dass Verben wie bringen, geben, schenken normalerweise zwei Objekte haben: die Sache, die man bringt, gibt, schenkt …, und die Person, der man die Sache bringt, gibt, schenkt … Man muss nur wissen, dass die Sache im Akkusativ steht und die Person im Dativ.
    Martina schreibt ihrem Freund (Person im Dativ) einen Brief (Sache im Akkusativ).
    In der Grammatik von anderen Sprachen brauchen diese Verben übrigens auch zwei Objekte, auch wenn man das nicht durch einen Kasus zeigt. Vergleichen Sie: Martina writes a letter to her friend.

    6. Die Grammatik hinter verkürzten Wünschen ...

    Warum wünschen Sie Ihren Kollegen nach der Arbeit Schönen Feierabend und nicht Schöner Feierabend? Denken Sie sich hier an die Gramatik des kompletten Satzes. Dann wird es klar:
    (Ich wünsche dir/Ihnen einen) Schönen Feierabend.
    Genauso: (Ich wünsche dir/Ihnen einen) Schönen Urlaub. /
    (Ich sende dir/Ihnen meinen) Herzlichen Glückwunsch.

    7. ... und den Antworten darauf

    Aus diesem Grund muss Ihre Antwort auf so einen freundlichen Wunsch im Dativ stehen:
    (Ich wünsche dir/Ihnen ein) Schönes Wochenende.
     – Du/Sie Dir/Ihnen auch.

    8. Futur oder Passiv?

    Sie klingen ähnlich, aber die Grammatik ist unterschiedlich: Für das Futur braucht man werden und den Infinitiv, für das Passiv werden und das Partizip Perfekt. Sehen Sie den Unterschied?
    Futur: Die Post wird das Päckchen morgen liefern.
    (= Die Post wird etwas tun.)
    Passiv: Das Päckchen wird morgen geliefert.
    (= Etwas passiert mit dem Päckchen.)
     

    Häufiger Grammatikfehler im Deutschen: beim Futur "Die Post wird das Päckchen morgen liefern."

     

    9. Fehler bei Zeitangaben

    Temporale Angaben mit letzt-, dies- und nächst- stehen im Akkusativ.
    Letzten Monat habe ich sehr viel gearbeitet, diesen Monat arbeite ich noch mehr, aber nächsten Sonntag fahre ich in Urlaub.

    10. Wo oder wohin?

    Die deutsche Grammatik unterscheidet mithilfe von Präpositionen zwischen Position (Wo?) und Richtung (Wohin?). Die meisten Präpositionen haben einen festen (nicht veränderbaren) Kasus. Diese muss man lernen, zum Beispiel mit einem Merksatz: Wir fahren von AusBeiMit nach VonSeitZu. (Präpositionen mit Dativ)
    Maja lebt bei ihren Eltern und fährt jeden Sommer zu ihren Großeltern.

    11. Kasus bei Wechselpräpositionen

    Aber diese neun Präpositionen können sowohl eine Position als auch eine Richtung zeigen: an, auf, hinter, in, neben, über, unter, vor, zwischen. Um den Unterschied zwischen einer Position und einer Richtung klarzumachen, können diese Präpositionen den Kasus wechseln: Position mit Dativ, Richtung mit Akkusativ.
    Familie Müller geht in den Wald (Wohin? Richtung! Die Familie ist noch nicht dort.).
    Im Wald (Wo? Jetzt ist sie dort.) sammelt die Familie Pilze.

    12. Kurzform von Wechselpräpositionen

    Sie wissen wahrscheinlich, dass man bei den Wechselpräpositionen in und an Kurzformen bilden kann:
    in + dem = im, in + das = ins; an + dem = am, an + das = ans
    Aber wussten Sie auch, dass das in der Alltagssprache auch für die anderen Wechselpräpositionen möglich ist?
    Der Hausmeister stellt die Mülltonnen vors (= vor das) Haus. Hinterm (= Hinter dem) Haus ist ein Garten.
    Bitte benutzen Sie diese Formen nur in informellen Situationen. Nicht, wenn Sie eine gute Präsentation in einem Meeting machen wollen oder wenn Sie E-Mails an Geschäftspartner schreiben. Übrigens: Kurzformen benutzt man, weil sie einfach zu sprechen sind. Zwischenm oder Nebenm gibt es deshalb nicht.

    13. Umlaute: eine Frage der Grammatik, nicht des Designs

    Nein, es ist keine Frage des Designs, ob man a, o, u oder ä, ö, ü schreibt! Im Präteritum haben die Verben müssen, können, dürfen keinen Umlaut (ä, ö, ü).
    Ich könnte konnte gestern nicht kommen, weil ich arbeiten müsste musste.

    14. Fehler beim Konjunktiv

    Im Konjunktiv II, also um Vorschläge zu machen oder über Ideen, Wünsche und Überlegungen zu sprechen, steht bei müssen, können, dürfen ein Umlaut (ä, ö, ü).
    Wir konnten könnten heute Abend Pizza essen, wir mussten müssten aber zuerst einkaufen.

    15. Zu vor dem Infinitiv?

    Vielleicht kennen Sie Listen darüber, bei welchen Verben der Infinitiv mit zu steht. Vergessen Sie die Listen und das Lernen. Außer bei Modalverben, beim Futur und ein paar wenigen anderen Verben (werden, bleiben, lassen …) steht vor dem Infinitiv zu.
    Hast du Lust, in den Zoo gehen zu gehen? Willst du dorthin gehen?

    16. „Ich möchtete”

    Die Vergangenheitsform von möchte ist wollte.
    Früher möchte wollte Oda studieren, jetzt nicht mehr.

    17. Artikel bei Berufsangaben

    Bitte keinen Artikel vor Berufen!
    Als Kind wollte ich ein Pilot werden, aber heute bin ich ein Lehrer.

    18. Fehler beim Genitiv

    Ein Genitiv mit -s und Position vor dem Nomen ist nur bei Namen möglich (Annas Freund). Sonst kommt der Genitiv nach dem Nomen, zu dem er gehört, oder wird durch von + Dativ ersetzt.
    Meine Schwesters Mann Der Mann (von) meiner Schwester heißt Christopher.

    19. Falsche Grammatik bei Absichtsaussagen

    Um seine Absicht oder ein Ziel zu erklären, braucht man – ja, was? – einen Infinitivsatz mit um … zu. Eine Konstruktion mit für gibt es dafür in der deutschen Grammatik nicht.
    Benjamin macht Urlaub in Spanien für Spanisch lernen, um Spanisch zu lernen.

    20. Zu statt für

    Wenn etwas nötig ist, wenn man also etwas braucht, um etwas tun zu können, ist auch zum möglich.
    Für Zum Kuchenbacken / Um Kuchen zu backen, braucht man Mehl.

    21. Fehler bei indirekten Fragesätzen

    In indirekten Ja-/Nein-Fragen ist ob ein Muss. Und: Indirekte Fragen sind Nebensätze.
    Falsch: Wisst ihr, gibt es hier eine Post in der Nähe?
    Richtig: Wisst ihr, ob es hier eine Post in der Nähe gibt?

    22. Wann und wenn

    Wann ist ein Fragewort. Die temporale und die konditionale Konjunktion heißt wenn.
    Wir grillen, wann wenn das Wetter gut ist.
    Wann grillen wir? – Wenn das Wetter gut ist. / Am Samstag. / …

    23. Wenn und als

    Für Ereignisse in der Vergangenheit, die nur einmal passiert sind, wird als benutzt:
    Erst wenn als Frau Kowalski 60 Jahre war, hat sie schwimmen gelernt. (Frau Kowalski war nur einmal in ihrem Leben 60 Jahre alt, und sie hat nur einmal schwimmen gelernt!)

    24. Fehler beim Possessivartikel

    Der Possessivartikel für weibliche Personen ist ihr/ihre.
    Das ist Frau Maurers Katze. Das ist seine ihre Katze.

    25. Falsch verboten!

    Für Verbote muss man nicht dürfen benutzen.
    Hier musst darfst du nicht rauchen!

    26. Aufforderung oder Empfehlung?

    In einer Aufforderung kann sollen richtig sein, aber für Empfehlungen benutzen Sie besser den Konjunktiv II. Denn sollen ist ziemlich intensiv. Überlegen Sie deshalb: Wollen Sie andere klar zu etwas auffordern? Oder wollen Sie doch lieber nur etwas empfehlen?
    Du sollst solltest wirklich Sport machen, wenn du gesund bleiben willst.

    27. Vorsicht bei müssen

    Noch intensiver ist müssen. Sie benutzen es, wenn etwas absolut notwendig oder obligatorisch ist.
    Du sollst musst dich bewegen. Sonst wirst du nicht gesund.

    28. Wortstellung in Fragen

    Bei Ja-/Nein-Fragen tauschen das Subjekt und das Verb normalerweise den Platz.
    Du möchtest Möchtest du einen Kaffee?

    29. Wortstellung des Verbs in Aussagen

    In Aussagen steht das Verb auf Position 2. Ausnahme: nach aber, denn, sondern, oder, und.
    Heute ich mache mache ich eine Party, denn habe ich ich habe Geburtstag.

    30. Wortstellung des Subjekts in Aussagen

    Das Subjekt hat die Position 1, wenn kein anderes Satzglied (temporale/lokale Angabe …) auf dieser Position steht.
    Backe ich Ich backe einen Kuchen für meinen Geburtstag.

    31. Wortstellung bei Dativ- und Akkusativobjekt

    Das Dativobjekt steht vor dem Akkusativobjekt, außer beide Objekte sind Pronomen. Dann tauschen sie den Platz.
    Der Chef hat einen besseren Job meinem Kollegen meinem Kollegen einen besseren Job angeboten.
    Der Chef hat keinen neuen Job mir mir keinen neuen Job angeboten.
    Der neue Job? Der Chef hat mir ihn ihn mir nicht angeboten.

    32. Wortstellung bei Vermutungen

    Wenn Sie eine Meinung oder eine Vermutung an eine Aussage (einen Satz) anschließen möchten, kommt zuerst das Verb, dann das Subjekt.
    Das Kleid steht dir sehr gut, ich finde finde ich.
    Die Mieten werden weiter steigen, ich glaube glaube ich.

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