Mit dem Rad durch Corona-Berlin

    Schwer
    Blick aufs Brandenburger Tor über einen Fahrradlenker

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    Transkript: Mit dem Rad durch Corona-Berlin

    Der kombinierte Fuß- und Radweg an der Frankfurter Allee in Berlin-Friedrichshain ist wie ausgestorbenganz leerwie ausgestorben. In der Welt, die wir kannten, kämpfte hier jeder um seinen der Raum, Räumehier: PlatzRaum, Fußgänger, Radfahrer, parkende Autos, Lie­ferwagen. Jetzt ist für jeden genug Platz.

    Fast alle Geschäfte haben zu. Nur die Drogerien sind auf und die Supermärkte. Und die Fahrradläden. Niemand will eine die Ausgangssperre, -nVerbot das Haus zu verlassenAusgangssperre, aber draußen alleine Sport machen bleibt erlaubt. der Abstand, -ständeDistanzAbstand ist gut und sicher auch das Richtige in diesen Tagen. Und wo hat man mehr Abstand – zu anderen Menschen, zu den Gedanken dieser Tage – als im der Sattel, -hier: FahrradsitzSattel?

    Ein kleiner Fahrradladen an der Frankfurter Allee. „Also momentanzurzeitmomentan zählen zugemeint ist hier: meistens … tunzählen die Leute eher≈ mehreher dazählen zugemeint ist hier: meistens … tunzu, dass sie das Geld für andere Sachen ausgeben anstattstattanstatt sich jetzt irgendwie ein Fahrrad für drei-, vier-, fünfhundert Euro zu kaufen. Die lassen lieber ihr Fahrrad reparieren. Werkstatt ist momentan proppenvollugs.: extrem vollproppenvoll bei uns.“

    Es ist nicht die Zeit, um sich große Wünsche zu erfüllen. Es ist die Zeit für kleine Wünsche, Zeit, sich zurückerobernfür sich wiederbekommensich ein Stück Freiheit sich zurückerobernfür sich wiederbekommenzurückzuerobern. Ein Kunde bringt gerade sein altes Rad zur Reparatur. Keine Schönheit, kein Sportgerät, nein, einfach: ein Fahrrad.

    „Kette, das Ritzel, -Rädchen, dessen Drehung einen Mechanismus aktiviertRitzel … Bremse vorne muss ich mal gucken, ob ich was da hab, was ich überhaupt da anbauenhier: integrierenanbauen kann.“ – „Was würde das denn kosten?“

    Wieder aufs Rad, die Frankfurter Allee entlang, die normalerweise im Verkehr erstickenhohe Emissionen haben, weil es extrem viel Verkehr gibtim Verkehr erstickt.

    Fahrradlobbyisten fordern seit Jahren, dass auf mehrspurigen Stadtstraßen eine ganze Autospur zur Radspur wird. Bisher ohne Erfolg. Doch nun ist es möglich: Berlin hat in wenigen Tagen aus einigen Autospuren Radspuren gemacht. Es geht, in der Krise.
    Ich fahre ins Grüne. Nach Lichtenberg, in den Landschaftspark Herzberge. Kleine Wege, links ein kleines Wäldchen, rechts grüne Wiesen, ein Landschaftsschutzgebiet mitten in der Stadt. Hier treffen aufneben … auch da seintreffen Fahrradfahrer treffen aufneben … auch da seinauf Jogger, Spaziergänger und Kinder auf Dreirädern. Zwei junge Fahrradfahrer machen Pause auf einer Bank. Ob sie das Radfahren in diesen Tagen neu für sich entdeckenhier: ≈ merken, dass man … gern machtneu für sich entdeckt haben?

    „… gerade gestern. Neu entdeckt. Also wir fahren das ganze Leben lang schon Rad.“

    Klar, in Berlin gab es schon immer Menschen, die aus Überzeugung Rad fahren. Ob sich das mit Corona plötzlich geändert haben kann? Ich frage die beiden, ob das Radfahren nicht doch einen ganz neuen Wert bekommen hat.

    „Is det (berlin.)dasdet ne ernstgemeinte Frage, oder wat (berlin.)waswat? Wir wollten nur Radfahren.“

    Und in Berlin, ja, das auch, gab es schon immer der Muffelkopp, -köppe (berlin.)ugs.: hier: unfreundliche PersonMuffelköppe, warum soll auch das jetzt anders sein.

    Der Weg durch den Landschaftspark Herzberge gehört zu meiner die Rundtour, -enhier: Rundfahrt auf dem FahrradRundtour durch Berlin. Im richtige (-r/-s)hier: normale (-r/-s)richtigen Leben versuche ich die 25 Kilometer in weniger als einer Stunde zu schaffen, eingetaktetso, dass man davor und danach etwas zu tun hateingetaktet in einen Tag vollervoll mitvoller Termine, die Verpflichtung, -enSache, die man tun mussVerpflichtungen und Stress. Jetzt gehen die Uhren langsamer. Ich nehme Platz auf der Holzbank mit Tisch, vorbeirasen anschnell vorbeifahren anan der ich sonst nur vorbeirasen anschnell vorbeifahren anvorbeirase. Es ist so still, dass man aus weiter Fernevon weit wegaus weiter Ferne die Motorsäge, -nWerkzeug mit Motor zum Schneiden von HolzMotorsägen hören kann. Eine Frau, Mitte 50, kommt auf dem Rad entlang.

    „Also ich find das toll. Ich find sowieso alles toll. Weil das Wetter ist schön, es ist alles leer, und alles ist schön. Ja.“

    Man könnte es fast vergessen, das Virus. Und dass für das Krankenhaus Herzberge, nur wenige Hundert Meter entfernt, gleich hinter dem kleinen Wäldchen, diese Ruhe nur die Ruhe vor dem SturmRuhe direkt vor einem unangenehmen Ereignis, das sicher kommtdie Ruhe vor dem möglichen die Ruhe vor dem SturmRuhe direkt vor einem unangenehmen Ereignis, das sicher kommtSturm ist.

    „Ist total schön. Also die Frage ist, warum man das nicht beibehalten≈ behalten; noch länger so machenbeibehält. Am Ende.“

    Wir haben genug zu essen, genug zu trinken. Was fehlt, ist der Konsum, von dem der Großteil nicht wirklich nötig ist. Und die Natur macht einfach weiter. So, wie sie es immer gemacht hat. So wundert man sich über die Ruhe in der Stadt. Vielleicht sind wir Menschen gar nicht so wichtig. Vielleicht waren wir nie wichtig.

    „Ach, das würde ich jetzt nicht sagen. Ich glaube nur, dass wir Menschen uns ziemlich dollugs. hier: sehrdoll ändern müssten. Man merkt vielleicht auch, dass viele Sachen überhaupt nicht wichtig sind. Und dass es nur wenige Sachen sind, die wichtig sind.“

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