Schule: Kinder im Stress MITTEL
Für sein Schulsystem bekommt Deutschland schlechte Noten. Schon für manche Grundschüler ist der Unterricht zu schwierig. Zu viele Kinder haben schlechte Chancen auf gute Bildung. Und immer mehr Eltern schicken ihre Kinder lieber auf private als auf staatliche Schulen.
Emre Alan kommt zu spät. Aber der 15-Jährige kann nichts dafür. „Er ist noch in der Englischprüfung“, sagt seine Direktorin. Der Sohn türkischer Immigranten besucht die Hauptschule in München-Sendling. In zwei Wochen beendet er die Schule. Als er zur Tür hereinkommt, wirkt er fast noch wie ein Junge. Aber es klingt ziemlich erwachsen, als er sagt: „Jetzt muss ich noch mal richtig Gas geben, sonst sieht es nicht gut aus.“ 46 Schüler verlassen die Sendlinger Hauptschule in diesem Sommer, erst neun haben einen Ausbildungsplatz. „Wir hoffen, dass Anfang September die Hälfte der Schüler etwas gefunden hat“, sagt Direktorin Nicola Mehl. Dann holt sie tief Luft und sagt: „Die anderen müssen sich irgendwie durchbeißen.“
Jedes Jahr finden in Deutschland 150 000 Jugendliche keinen Ausbildungsplatz. „Das ist eine Katastrophe für diese Jugendlichen und ein Desaster für unsere Gesellschaft!“, sagt Schulforscher Klaus Klemm, der bis zu seiner Emeritierung an der Universität Duisburg-Essen arbeitete. Die Vereinten Nationen (UN) haben der Bundesrepublik schlechte Noten für ihr Bildungssystem gegeben. Der Hauptkritikpunkt: Ungerechtigkeit. Kinder aus ausländischen oder armen Familien würden in kaum einem anderen westlichen Land so diskriminiert wie in Deutschland, so die UN. Der Nationale Bildungsbericht von 2008 zählt 4,2 Millionen Kinder zur Risikogruppe, die wegen Armut, Arbeitslosigkeit oder dem niedrigen Bildungsstand ihrer Eltern viel schlechtere Bildungs- und Zukunftschancen hat.
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