Nationalparks im Wattenmeer MITTEL
Seit einem Jahr steht das Wattenmeer als erste deutsche Naturlandschaft auf der Liste des UNESCO-Welterbes. Für das Ökosystem ist das gut und schlecht: Der Tourismus könnte für die Natur zum Problem werden. Astrid Labbert war an und in der Nordsee unterwegs.
Der Boden lebt. Der Mann, der das seinen Gästen zeigen will, steht 250 Meter vor der kleinen Insel Langeoog mehr im als auf dem Meeresboden. Von dort hat sich das Wasser jetzt, bei Ebbe, zurückgezogen. Schuhe trägt er keine: Uwe Garrels will den Boden spüren, der blubbert, wenn er hineintritt. Dann macht der Wattführer ein Loch in den Boden. Er zieht dort Schnecken und Muscheln heraus. Er lässt seine Gäste in die reiche Tierwelt blicken, die in den ersten 30 Zentimetern unter der Erde lebt – zum Beispiel bis zu 50 000 Schnecken auf einem Quadratmeter. Die Muscheln, sagt Garrels, müssen nur „das Maul aufmachen, das Futter kommt ja mit der Tide vorbei.“ So einfach ist das im lebendigsten Ökosystem Deutschlands.
Das Wattenmeer: Das sind 11 400 Quadratkilometer Watt, Sandbänke, Dünen und Salzwiesen in der Nordsee – eine internationale Zwischenstation und ein Kindergarten der Tierwelt. „Das Wattenmeer ist für die Tiere auf der ganzen Welt von Bedeutung, als Laichgebiet für Fische und vor allem als Rast und Brutgebiet für Vögel. Für viele ist es die einzige Zwischenstation zwischen Afrika und der Arktis, das heißt zwischen ihrem Winterquartier und dem Ort, an dem sie brüten“, sagt Jan Weinbecker.
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