Ludwig II. und seine Schlösser MITTEL
Neuschwanstein, Herrenchiemsee, Linderhof und das Königshaus am Schachen: In seinen Schlössern konnte Ludwig II. ein König nach seinem Ideal sein – und die Realität vergessen. Eine Reise in die Phantasiewelt des bayerischen Märchenkönigs.
Weiße Türme ragen aus dem dunklen Wald heraus, hoch oben über dem Ort. Aus der Ferne erinnert Schloss Neuschwanstein an die Kulisse eines Märchenfilms: magisch, anziehend, aber nicht zu erreichen. Man muss dieses Bild sehr oft gesehen haben, um es nicht mehr zu bemerken. So wie Johanna Vogtmann. Seit 28 Jahren fährt sie Touristen mit ihrer Pferdekutsche von Hohenschwangau zum Schloss hinauf und wieder hinunter. Sommer und Winter, vier Tage die Woche. „Wenn man das Schloss immer sieht, sieht man es irgendwann nicht mehr“, sagt sie. Im Schloss war sie lange nicht mehr. „Über Ludwig II. weiß hier jeder Bescheid. Außerdem fragen die Fahrgäste öfter nach meinen Pferden als nach dem König. Wie heißen sie? Wie alt sind sie? Welche Rasse?“
Auf der Straße zum Schloss hört man viele Sprachen. Russisch, Italienisch, Japanisch, Englisch, Spanisch, Französisch und viele mehr. Früher kamen vor allem Amerikaner und Japaner, seit ein paar Jahren auch immer mehr Russen und Chinesen. Aus der Nähe wirkt das Schloss nicht mehr so romantisch. Vielleicht weil man sieht, dass das Märchenschloss nicht aus dem Mittelalter ist, sondern aus dem 19. Jahrhundert.
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