Fernsehkult: Wie die "Lindenstraße" die Gesellschaft zeigt MITTEL
Keine andere Fernsehserie zeichnet ein so realistisches Bild der deutschen Gesellschaft wie die "Lindenstraße" – und das seit 25 Jahren. Für viele ist die älteste deutsche Seifenoper Kult. Barbara Kerbel berichtet über ein TV-Phänomen.
Es ist kaum zu glauben, dass Lisa erst 29 Jahre alt ist – so viel hat sie schon erlebt. Das Wichtigste aus ihrer Biografie: Als Kind wird Lisa von ihrer Mutter geschlagen. Sie kommt zu einer Pflegefamilie, später ins Heim. Mit 15 erschlägt sie den Pfarrer Matthias Steinbrück mit einer Bratpfanne – sie wollte ihrem rechtsextremistischen Freund Olli in einem Streit helfen. Mit 16 verliebt sich Lisa in den 37 Jahre älteren Mann ihrer Klavierlehrerin.
Fünf Jahre später bekommt Lisa einen unehelichen Sohn; mit dessen Vater wollte sie eigentlich nur eine Freundin eifersüchtig machen. Wenige Jahre später verliebt sie sich in den Türken Murat. Sie konvertiert zum Islam, befolgt seitdem ganz genau die muslimischen Regeln und heiratet Murat, dem die Religion selbst wenig bedeutet. Jetzt, im späten Herbst 2010, sind Lisa und Murat in einer schweren Krise: Weil Murat ein gemeinsames Kind will, hat er ihre Antibabypille im Ofen gebacken, sodass sie nicht mehr wirkt. Lisa ist schwanger – aber sie will kein Kind mehr.
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