Essen – Kulturhauptstadt 2010 MITTEL
Für ihre Industrie ist die Stadt Essen bekannt. In diesem Jahr wird sie allerdings für ihre Kultur gefeiert. Als Kulturhauptstadt Europas – zusammen mit 52 anderen Orten in der Region. Wieso eigentlich?
Jochen Seifert legt einen schwarzen Bleistift auf den Tisch. „Das ist die Kokerei, sagt der Mann, der früher als Ingenieur auf der Essener Zeche Zollverein gearbeitet hat. „Und hier hat der Herr Haniel damals die erste Bohrung gemacht.“ Seifert stellt eine Portion Kaffeesahne neben den Bleistift. Und noch eine. Und noch eine.
Wer dem heute 74-Jährigen zuhört und zusieht, bekommt einen guten Eindruck von der Zeit, als Essen zur Kohlestadt wurde – und mit ihr die ganze Region zwischen den Flüssen Lippe im Norden, Ruhr im Süden und Rhein im Westen. Nach 1847, als Franz Haniel auf Essener Boden die Zeche Zollverein gründete, wurden und um die Stadt Hunderte Fördertürme gebaut.
„Haniel besaß die Mehrheit an der Eisenbahngesellschaft", erzählt Seifert. Das war viel wert: Je mehr Kohle gefunden wurde, desto mehr Züge mussten sie transportieren. So entstand rund um Essen eine gigantische Maschinerie. Vom Förderturm kam die Kohle in die Kokerei, wo daraus Koks hergestellt wurde. Die Eisenbahn brachte den Koks zu den Stahlkochern. Schließlich ging der Stahl vom Duisburger Hafen aus in die ganze Welt.
Seifert hat die letzten Jahre, in denen noch intensiv Kohle gefördert wurde, als Ingenieur in der Zeche Zollverein gearbeitet. Von 1956 bis 1982 war er für die Wartung der Maschinen zuständig. Bei der Schließung der Zeche war er 1986 genauso dabei wie bei ihrem späteren Umbau zu einem Kulturzentrum. 2001 erklärte die UNESCO die früher modernste Zeche der Erde zum Weltkulturerbe.
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